Symbolbild, erstellt mit ChatGPT, gemeinfrei.

Von James Petras | veröffentlicht am 10. August 2026, Kategorie: Geopolitik, Gesellschaft & Geschichte

Die CIA und der Kalte Kultur Krieg – ein neuer Blick

Frances Stonor Saunders, „Who Paid the Piper? The CIA and the Cultural Cold War“ (London: Granta Books), 20 £. (etwa: "Wer bezahlt die Musik? Die CIA und der Kalte Kultur Krieg")

Diesen Artikel gibt es auch als PDF Download

Dieses Buch liefert einen detaillierten Überblick darüber, wie die CIA über ihre Tarnorganisationen und befreundete philanthropische Einrichtungen, wie die Ford- und die Rockefeller-Stiftung, eine Vielzahl kultureller Einrichtungen unterwanderte und beeinflusste. Die Autorin, Frances Stonor Saunders, beschreibt ausführlich, wie und warum die CIA Kulturkongresse und Konzerte veranstaltete und Ausstellungen organisierte. Zudem veröffentlichte und übersetzte die CIA bekannte Autoren, die die Linie Washingtons vertreten. Sie förderte abstrakte Kunst, um Kunst mit gesellschaftlich relevantem Inhalt entgegenzuwirken, und sie subventionierte weltweit Zeitschriften, die den Marxismus, den Kommunismus und revolutionäre Politik kritisierten und die gewaltsame und zerstörerische imperialistische Politik der USA rechtfertigten oder ignorierten. Der CIA gelang es, einige der lautesten Verfechter der intellektuellen Freiheit im Westen für diese Politik zu gewinnen, und das ging so weit, dass einige Intellektuelle direkt auf der Gehaltsliste der CIA standen. Viele waren wissentlich an CIA-„Projekten“ beteiligt, andere pendelten in deren Sog hin und her und gaben vor, nichts von der Verbindung zur CIA zu wissen, nachdem ihre CIA-Förderer Ende der 1960er Jahre und während des Vietnamkriegs, nach dem politischen Umschwung nach links, öffentlich entlarvt worden waren.

Zu den antikommunistischen Publikationen in den USA und Europa, die direkt oder indirekt finanziert wurden, gehörten Partisan Review, Kenyon Review, New Leader, Encounter und viele andere. Zu den Intellektuellen, die von der CIA finanziert und gefördert wurden, zählten Irving Kristol, Melvin Lasky, Isaiah Berlin, Stephen Spender, Sidney Hook, Daniel Bell, Dwight MacDonald, Robert Lowell, Hannah Arendt, Mary McCarthy und zahlreiche andere in den Vereinigten Staaten und Europa. In Europa interessierte sich die CIA besonders für die „Demokratische Linke“ und ehemalige Linke und förderte diese, darunter Ignacio Silone, Stephen Spender, Arthur Koestler, Raymond Aron, Anthony Crosland, Michael Josselson und George Orwell.

Unter dem Einfluss von Sidney Hook und Melvin Lasky spielte die CIA eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung des „Congress for Cultural Freedom“, einer Art kultureller NATO, die alle möglichen „antistalinistischen“ Linken und Rechten unter einem Dach vereinte. Es stand ihnen völlig frei, westliche kulturelle und politische Werte zu verteidigen, den „stalinistischen Totalitarismus“ anzugreifen und den US-amerikanischen Rassismus und Imperialismus behutsam zu umgehen. Dabei wurde in den von der CIA subventionierten Zeitschriften gelegentlich auch mal ein Text gedruckt, der die US-Massenkultur am Rande kritisierte.

Besonders bizarr an dieser Gruppe von CIA-finanzierten Intellektuellen war nicht nur ihre politische Parteilichkeit, sondern auch ihre Behauptung, sie seien unvoreingenommene Wahrheitssucher, ikonoklastische Humanisten, freigeistige Intellektuelle oder Künstler um der Kunst willen, die sich den korrupten, „engagierten“ Hausschreiberlingen des stalinistischen Apparats entgegenstellten.

Es ist unmöglich, ihren Behauptungen zu glauben, sie hätten nichts von den Verbindungen zur CIA gewusst. Wie konnten sie übersehen, dass in den Zeitschriften während des gesamten Zeitraums keinerlei grundlegende Kritik an den zahlreichen Lynchmorden im Süden der Vereinigten Staaten zu finden war? Wie konnten sie übersehen, dass auf ihren Kulturkongressen keinerlei Kritik an den imperialistischen Interventionen der USA in Guatemala, im Iran, in Griechenland und in Korea geäußert wurde, die Millionen von Todesopfern forderten? Wie konnten sie die unverhohlene Rechtfertigung der imperialistischen Verbrechen ihrer Zeit in den Zeitschriften, in denen sie publizierten, ignorieren? Sie waren alle Soldaten: einige redegewandt, bissig, derb und polemisch, wie Hook und Lasky; andere elegante Essayisten wie Stephen Spender oder selbstgerechte Denunzianten wie George Orwell. Saunders schildert die WASP-Elite [weiße angelsächsische Protestanten; Anm. d. Red.] der Ivy-League bei der CIA, die die Fäden in der Hand hielt, und die bissigen jüdischen Ex-Linken, die linke Dissidenten anknurrten. Als die Wahrheit Ende der 1960er Jahre ans Licht kam und „Intellektuelle“ in New York, Paris und London Empörung darüber vortäuschten, benutzt worden zu sein, schlug die CIA zurück. Tom Braden, der die Abteilung für internationale Organisationen der CIA leitete, entlarvte sie, indem er detailliert darlegte, dass sie alle gewusst haben mussten, wer ihre Gehälter und Stipendien bezahlte (S. 397–404).

Laut Braden finanzierte die CIA ihren „literarischen Schaum“, wie der CIA-Hardliner Cord Meyer die antistalinistischen intellektuellen Spielereien von Hook, Kristol und Lasky bezeichnete. In Bezug auf die renommiertesten und bekanntesten Publikationen der selbsternannten „Demokratischen Linken“ (Encounter , New Leader , Partisan Review) schrieb Braden, dass das Geld dafür von der CIA stammte und dass „ein Agent zum Herausgeber von Encounter wurde“ (S. 398). Bis 1953, so Braden, „waren wir in jedem Bereich in internationalen Organisationen tätig oder übten dort Einfluss aus“ (S. 398).

Thomas Braden, Datum unbekannt.
(Foto: Unbekannt, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Saunders’ Buch liefert nützliche Informationen zu mehreren wichtigen Fragen hinsichtlich der Art und Weise, wie intellektuelle Mitarbeiter der CIA die imperialistischen Interessen der USA auf kultureller Ebene verteidigten. Es regt zudem eine wichtige Diskussion über die langfristigen Folgen der ideologischen und künstlerischen Positionen an, für die sich die Intellektuellen der CIA einsetzten.

Saunders widerlegt die Behauptungen (von Hook, Kristol und Lasky), dass die CIA und ihr nahestehende Stiftungen Hilfe ohne Auflagen geleistet hätten. Sie zeigt, dass

„von den von der CIA subventionierten Personen und Institutionen erwartet wurde, dass sie als Teil … eines Propagandakriegs agieren“.

Die wirksamste Propaganda wurde von der CIA als jene definiert, bei der „sich das Subjekt aus Gründen, die es für seine eigenen hält, in die von dir gewünschte Richtung bewegt“. Zwar erlaubte die CIA ihren Informanten in der „demokratischen Linken“, gelegentlich über soziale Reformen zu schwadronieren, doch waren es die „antistalinistischen“ Polemiken und literarischen Schmähschriften gegen westliche Marxisten sowie sowjetische Schriftsteller und Künstler, an denen sie am meisten interessiert waren, die sie am großzügigsten finanzierten und mit der größten Sichtbarkeit förderten. Braden bezeichnete dies als die „Konvergenz“ zwischen der CIA und der europäischen „demokratischen Linken“ im Kampf gegen den Kommunismus. Die Zusammenarbeit zwischen der „demokratischen Linken“ und der CIA umfasste Streikbrecheraktionen in Frankreich, die Denunziation von Stalinisten (Orwell und Hook) sowie verdeckte Verleumdungskampagnen, um zu verhindern, dass linke Künstler Anerkennung fanden (einschließlich der Kandidatur Pablo Nerudas für den Nobelpreis 1964 [S. 351]).

Die CIA als der Zweig der US-Regierung, der sich am stärksten mit der Bekämpfung des kulturellen Kalten Krieges befasste, konzentrierte sich in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg auf Europa.

Nach fast zwei Jahrzehnten kapitalistischer Kriege, Wirtschaftskrisen und Nachkriegsbesatzung war die überwiegende Mehrheit der europäischen Intellektuellen und Gewerkschafter antikapitalistisch eingestellt und stand den Hegemonieansprüchen der Vereinigten Staaten besonders kritisch gegenüber. Um der Anziehungskraft des Kommunismus und dem Wachstum der europäischen kommunistischen Parteien (insbesondere in Frankreich und Italien) entgegenzuwirken, entwickelte die CIA ein zweigleisiges Programm. Einerseits wurden, wie Saunders argumentiert, bestimmte europäische Autoren im Rahmen eines explizit „antikommunistischen Programms“ gefördert. Zu den Kriterien des CIA-Kulturkommissars für „geeignete Texte“ gehörte „jede Kritik an der sowjetischen Außenpolitik und am Kommunismus als Regierungsform, die wir als objektiv (sic) und überzeugend geschrieben sowie aktuell erachten“. Die CIA war besonders daran interessiert, desillusionierte Ex-Kommunisten wie Silone, Koestler und Gide zu veröffentlichen. Die CIA förderte antikommunistische Schriftsteller, indem sie aufwendige Konferenzen in Paris, Berlin und Bellagio (mit Blick auf den Comer See) finanzierte, wo objektive Sozialwissenschaftler und Philosophen wie Isaiah Berlin, Daniel Bell und Czeslow Milosz ihre Werte (und die Vorzüge westlicher Freiheit und intellektueller Unabhängigkeit) predigten – innerhalb der von ihren CIA-Geldgebern definierten antikommunistischen und pro-Washingtoner Parameter.

Keiner dieser renommierten Intellektuellen wagte es, Zweifel oder Fragen hinsichtlich der US-Unterstützung der Massenmorde im kolonialen Indochina und Algerien, der Hexenjagd auf US-Intellektuelle oder der paramilitärischen (Ku-Klux-Klan-)Lynchmorde im Süden der Vereinigten Staaten zu äußern. Solche banalen Bedenken würden nur „den Kommunisten in die Hände spielen“, so Sidney Hook, Melvin Lasky und die Clique der Partisan Review, die eifrig nach Geldern für ihren quasi bankrotten literarischen Betrieb suchten. Viele der sogenannten renommierten antikommunistischen literarischen und politischen Zeitschriften wären längst aus dem Geschäft gewesen, gäbe es nicht die CIA-Subventionen, mit denen Tausende von Exemplaren aufgekauft und später kostenlos verteilt wurden.‘

Der zweite kulturelle Ansatz, den die CIA verfolgte, war weitaus subtiler. Hier förderte sie Symphonieorchester, Kunstausstellungen, Ballett, Theatergruppen sowie bekannte Jazz- und Opernkünstler mit dem ausdrücklichen Ziel, antiimperialistische Stimmungen in Europa zu neutralisieren und eine Wertschätzung für die US-amerikanische Kultur und Regierung zu schaffen. Die Idee hinter dieser Politik bestand darin, die US-amerikanische Kultur zu präsentieren, um kulturelle Hegemonie zu erlangen und damit das militärisch-wirtschaftliche Imperium zu stützen. Die CIA war besonders daran interessiert, schwarze Künstler nach Europa zu entsenden – insbesondere Sänger (wie Marion Anderson), Schriftsteller und Musiker (wie Louis Armstrong) –, um die europäische Feindseligkeit gegenüber Washingtons rassistischer Innenpolitik zu neutralisieren. Wenn schwarze Intellektuelle sich nicht an das künstlerische Drehbuch der USA hielten und in explizite Kritik abglitten, wurden sie von der Liste gestrichen, wie es beim Schriftsteller Richard Wright der Fall war.

Richard Wright, 1939.
(Foto: Carl van Vechten, Wikimedia Commons, gemeinfrei).

Das Ausmaß der politischen Kontrolle der CIA über die intellektuelle Ausrichtung dieser scheinbar unpolitischen künstlerischen Aktivitäten zeigte sich deutlich in der Reaktion der Herausgeber von Encounter (unter anderem Lasky und Kristol) auf einen von Dwight MacDonald eingereichten Artikel. MacDonald, ein eigenwilliger anarchistischer Intellektueller, arbeitete seit langem mit dem von der CIA geleiteten „Congress for Cultural Freedom“ und Encounter zusammen.

Im Jahr 1958 verfasste er für Encounter einen Artikel mit dem Titel „America America“, in dem er seine Abscheu gegenüber der US-amerikanischen Massenkultur, ihrem krassen Materialismus und ihrem Mangel an Anstand zum Ausdruck brachte. Es war eine Widerlegung der amerikanischen Werte, die das wichtigste Propagandamaterial im Kulturkampf der CIA und von Encounter gegen den Kommunismus darstellten.

MacDonalds Angriff auf das „dekadente amerikanische Imperium“ ging der CIA und ihren intellektuellen Agenten bei Encounter zu weit. Wie Braden in seinen Leitlinien für die Intellektuellen feststellte, „sollten Organisationen, die CIA-Gelder erhalten, nicht verpflichtet sein, jeden Aspekt der US-Politik zu unterstützen“, doch gab es ausnahmslos eine Grenze – insbesondere, wenn es um die US-Außenpolitik ging (S. 314). Trotz der Tatsache, dass MacDonald ein ehemaliger Herausgeber von Encounter war, wurde der Artikel abgelehnt.

Die frommen Behauptungen von Autoren des Kalten Krieges wie Nicola Chiaromonte, der in der zweiten Ausgabe von Encounter schrieb, dass „die Pflicht, der sich kein Intellektueller entziehen kann, ohne sich selbst zu erniedrigen, darin besteht, Fiktionen aufzudecken und sich zu weigern, ‚nützliche Lügen‘ als Wahrheiten zu bezeichnen“, galten sicherlich nicht für Encounter und seine illustre Liste von Autoren, wenn es darum ging, mit den „nützlichen Lügen“ des Westens umzugehen.

Eine der wichtigsten und faszinierendsten Auseinandersetzungen in Saunders’ Buch dreht sich um die Tatsache, dass die CIA und ihre Verbündeten im Museum of Modern Art (MoMA) riesige Summen in die Förderung der Malerei des Abstrakten Expressionismus (AE) und ihrer Maler investierten, um damit der Kunst mit sozialem Inhalt entgegenzuwirken. Bei der Förderung des AE setzte sich die CIA gegen die Rechte im Kongress durch. Die CIA sah im AE eine „antikommunistische Ideologie, die Ideologie der Freiheit, der freien Marktwirtschaft. Nicht-gegenständlich und politisch still, war es das genaue Gegenteil des sozialistischen Realismus“ (S. 254). Sie betrachteten den AE als den wahren Ausdruck des nationalen Willens. Um die Kritik der Rechten zu umgehen, wandte sich die CIA an den privaten Sektor (nämlich das MOMA und dessen Mitbegründer Nelson Rockefeller, der den AE als „Malerei der freien Marktwirtschaft“ bezeichnete). Viele Direktoren des MOMA unterhielten langjährige Verbindungen zur CIA und waren mehr als bereit, bei der Förderung des AE als Waffe im kulturellen Kalten Krieg mitzuwirken. Mit großem finanziellem Aufwand wurden überall in Europa Ausstellungen zu AE organisiert; Kunstkritiker wurden mobilisiert, und Kunstmagazine produzierten Artikel voller überschwänglicher Lobeshymnen. Die gebündelten wirtschaftlichen Ressourcen des MOMA und der von der CIA geführten Fairfield Foundation sicherten die Zusammenarbeit der renommiertesten Galerien Europas, die wiederum die Ästhetik in ganz Europa beeinflussen konnten.

AE als Ideologie der „freien Kunst“ (George Kennan, S. 272) wurde genutzt, um politisch engagierte Künstler in Europa anzugreifen. Der Kongress für kulturelle Freiheit (eine Tarnorganisation der CIA) setzte sich in einem explizit politischen Akt für die abstrakte Malerei ein, anstatt für eine gegenständliche oder realistische Ästhetik. In seinem Kommentar zur politischen Rolle der AE weist Saunders darauf hin:

„Eines der außergewöhnlichen Merkmale der Rolle, die die amerikanische Malerei im kulturellen Kalten Krieg spielte, ist nicht die Tatsache, dass sie Teil dieses Unterfangens wurde, sondern dass eine Bewegung, die sich so bewusst als unpolitisch deklarierte, so intensiv politisiert werden konnte“ (S. 275).

Die CIA verband unpolitische Künstler und Kunst mit Freiheit. Dies diente dazu, die Künstler der europäischen Linken zu neutralisieren. Die Ironie dabei war natürlich, dass die unpolitische Haltung nur für den linken Konsum bestimmt war.

Dennoch gelang es der CIA und ihren Kulturorganisationen, die Nachkriegsauffassung von Kunst nachhaltig zu prägen. Viele angesehene Schriftsteller, Dichter, Künstler und Musiker beteuerten ihre Unabhängigkeit von der Politik und bekräftigten ihren Glauben an die Kunst um der Kunst willen. Das Dogma vom freien Künstler oder Intellektuellen – als jemandem, der vom politischen Engagement losgelöst ist – setzte sich durch und ist bis heute allgegenwärtig.

Symbolbild, erstellt mit ChatGPT, gemeinfrei.

Zwar hat Saunders einen äußerst detaillierten Überblick über die Verbindungen zwischen der CIA und westlichen Künstlern und Intellektuellen gegeben, doch lässt sie die strukturellen Gründe für die Notwendigkeit der Täuschungsmanöver und der Kontrolle der CIA über Dissidenten unberücksichtigt. Ihre Ausführungen sind weitgehend im Kontext des politischen Wettbewerbs und Konflikts mit dem sowjetischen Kommunismus verortet. Es gibt keinen ernsthaften Versuch, den kulturellen Kalten Krieg der CIA im Kontext des Klassenkampfs, der einheimischen Revolutionen in der Dritten Welt und der unabhängigen marxistischen Herausforderungen an die imperialistische wirtschaftliche Vorherrschaft der USA zu verorten. Dies führt dazu, dass Saunders einige CIA-Projekte auf Kosten anderer und bestimmte Agenten gegenüber anderen selektiv lobt. Anstatt den Kulturkrieg der CIA als Teil eines imperialistischen Systems zu betrachten, neigt Saunders dazu, dessen trügerischen und eindeutig reaktiven Charakter zu kritisieren. Die kulturelle Eroberung Osteuropas und der ehemaligen UdSSR durch die USA und die NATO sollte jeden Gedanken schnell zerstreuen, der Kulturkrieg sei eine defensive Maßnahme gewesen.

Die Ursprünge des kulturellen Kalten Krieges lagen im Klassenkampf begründet. Schon früh investierten die CIA und ihre Agenten bei der US-Gewerkschaft AFL-CIO, Irving Brown und Jay Lovestone (ehemalige Kommunisten), Millionen von Dollar in die Unterwanderung militanter Gewerkschaften und die Zerschlagung von Streiks durch die Finanzierung sozialdemokratischer Gewerkschaften (S. 94). Der Kongress für kulturelle Freiheit und seine aufgeklärten Intellektuellen wurden von denselben CIA-Agenten finanziert, die 1948 Gangster aus Marseille anheuerten, um die Streiks der Hafenarbeiter zu brechen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die alte Rechte in Westeuropa (aufgrund ihrer Verbindungen zu den Faschisten und eines schwachen kapitalistischen Systems) in Verruf geraten war, erkannte die CIA, dass sie, um die NATO-kritischen Gewerkschafter und Intellektuellen zu untergraben, eine „Demokratische Linke“ finden (oder erfinden) musste, um einen ideologischen Kampf zu führen. Ein spezieller Bereich der CIA wurde eingerichtet, um Einwände der rechten Kongressabgeordneten zu umgehen. Die Demokratische Linke wurde im Wesentlichen dazu benutzt, die radikale Linke zu bekämpfen und der US-Hegemonie in Europa einen ideologischen Anstrich zu verleihen. Zu keinem Zeitpunkt waren die ideologischen Kämpfer der Demokratischen Linken in der Lage, die strategische Politik und die Interessen der Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Ihre Aufgabe bestand nicht darin, zu hinterfragen oder Forderungen zu stellen, sondern darin, dem Imperium im Namen der „westlichen demokratischen Werte“ zu dienen. Erst als in den Vereinigten Staaten und Europa massiver Widerstand gegen den Vietnamkrieg aufkam und ihre CIA-Tarnung aufflog, sprangen viele der von der CIA geförderten und finanzierten Intellektuellen ab und begannen, die US-Außenpolitik zu kritisieren. So wurde beispielsweise Stephen Spender, nachdem er den größten Teil seiner Karriere auf der Gehaltsliste der CIA verbracht hatte, zu einem Kritiker der US-Vietnam-Politik, ebenso wie einige der Herausgeber der Partisan Review. Sie alle beteuerten ihre Unschuld, doch nur wenige Kritiker glaubten, dass eine so lange und intensive Liebesbeziehung zu so vielen Zeitschriften und Kongressreisen ohne ein gewisses Maß an Wissen zustande kommen konnte.

Die Einmischung der CIA in das kulturelle Leben der Vereinigten Staaten, Europas und anderer Regionen hatte weitreichende langfristige Folgen. Viele Intellektuelle wurden gerade deshalb mit Ansehen, öffentlicher Anerkennung und Forschungsgeldern belohnt, weil sie sich an die von der CIA vorgegebenen ideologischen Grenzen hielten. Einige der größten Namen aus den Bereichen Philosophie, politische Ethik, Soziologie und Kunst, die durch von der CIA finanzierte Konferenzen und Zeitschriften an Bekanntheit gewannen, legten in der Folge die Normen und Standards für die Förderung der neuen Generation fest – basierend auf den von der CIA festgelegten politischen Parametern. Nicht Leistung oder Kompetenz, sondern Politik – die Linie aus Washington – definierte „Wahrheit“ und „Exzellenz“ sowie künftige Lehrstühle an renommierten akademischen Einrichtungen, Stiftungen und Museen.

Die antistalinistischen rhetorischen Ausbrüche der demokratischen Linken in den USA und Europa sowie ihre Bekenntnisse zu demokratischen Werten und Freiheit dienten als nützliche ideologische Tarnung für die abscheulichen Verbrechen des Westens.

Auch im jüngsten NATO-Krieg gegen Jugoslawien haben sich viele Intellektuelle der demokratischen Linken auf die Seite des Westens und der UCK gestellt, bei deren blutiger Säuberungsaktion Zehntausende Serben und zahlreiche unschuldige Zivilisten ermordet wurden. War der Antistalinismus während des Kalten Krieges das Opium der demokratischen Linken, so hat der Menschenrechtsinterventionismus heute dieselbe betäubende Wirkung und täuscht die heutigen Vertreter der demokratischen Linken.

Die Kulturkampagnen der CIA schufen das Vorbild für die heutigen, scheinbar unpolitischen Intellektuellen, Akademiker und Künstler, die von den Kämpfen des Volkes abgekoppelt sind und deren Wert mit ihrer Distanz zur Arbeiterklasse und ihrer Nähe zu renommierten Stiftungen steigt. Das CIA-Vorbild des erfolgreichen Fachmanns ist der ideologische Torwächter, der kritische Intellektuelle ausschließt, die über Klassenkampf, Klassenausbeutung und US-Imperialismus schreiben – „ideologische“, nicht „objektive“ Kategorien, so wird ihnen zumindest gesagt.

Der einzigartige, nachhaltige und schädliche Einfluss der Anhänger des „Congress of Cultural Freedom“ der CIA lag nicht in ihrer konkreten Verteidigung der imperialistischen Politik der USA, sondern darin, dass es ihnen gelang, nachfolgenden Generationen von Intellektuellen die Vorstellung aufzuzwingen, jede eingehende Auseinandersetzung mit dem US-Imperialismus aus den einflussreichen kulturellen und politischen Medien auszuschließen. Es geht nicht darum, ob die Intellektuellen oder Künstler von heute zu diesem oder jenem Thema eine progressive Haltung einnehmen oder nicht. Das Problem ist die weit verbreitete Überzeugung unter Schriftstellern und Künstlern, dass antiimperialistische soziale und politische Äußerungen nicht in ihrer Musik, ihren Gemälden und ihren ernsthaften Schriften vorkommen sollten, wenn sie wollen, dass ihre Werke als von substanziellem künstlerischem Wert angesehen werden. Der dauerhafte politische Sieg der CIA bestand darin, Intellektuelle davon zu überzeugen, dass ernsthaftes und nachhaltiges politisches Engagement auf der Linken unvereinbar mit ernsthafter Kunst und Wissenschaft ist. Heute sind in der Oper, im Theater und in Kunstgalerien sowie bei Fachkonferenzen von Akademikern die Werte der CIA aus der Zeit des Kalten Krieges sichtbar und allgegenwärtig: Wer wagt es, den Kaiser zu entlarven?

Dieser Text wurde zuerst am 27.02.2026 auf www.mronline.org unter der URL <https://mronline.org/2026/02/27/the-cia-and-the-cultural-cold-war-revisited/> veröffentlicht. Lizenz: James Petras, Monthly Review online, CC BY-NC-ND 4.0

Der Soziologe James Petras starb am 17. Januar 2026 im Alter von 89 Jahren. Dieser Artikel erschien ursprünglich in der „Monthly Review“, Band 51, Nr. 6 (November 1999).

Autor: James Petras

James Petras arbeitete seit elf Jahren mit der brasilianischen Landlosenbewegung zusammen, zusätzlich zu seinem Engagement in der Bewegung der Arbeitslosen in Argentinien. Zusammen mit Henry Veltmeyer war er Mitautor des Buches Globalization Unmasked: Imperialism in the 21st Century (Zed Books, 2001), das 2002 mit dem Kenny-Preis für Marxismus- und Arbeits-/Linksstudien ausgezeichnet wurde. Er war außerdem Autor einer Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel Andando por el mundo (Altamira Publishing Group, 2001).