Auftaktkundgebung am 17.06.13 vor dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin: YES WE CAN: Obama die rote Karte zeigen – US-Politik die Grenzen aufzeigen!“ (Foto: Uwe Hiksch, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)
Die Kuba-Strategie Trumps kommt einem wirtschaftlichen Völkermord gleich
Seit der Eisenhower-Regierung [Januar 1953 bis 1961; Anm. d. Red.] unterliegt Kuba einem US-Handelsembargo, obwohl es Präsident John F. Kennedy [Januar 1961 bis November 1963; Anm. d. Red.] war, der ein umfassendes Embargo für den gesamten Handel mit Kuba verhängte. Und während jede nachfolgende Regierung seitdem versucht hat, dem kubanischen Volk wegen seiner Unterstützung einer revolutionären Regierung Leid und Not zuzufügen, ist es die Trump-Regierung, die den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes auf der Insel zur obersten Priorität gemacht hat, indem sie die Sanktionen gegen die Insel ausweitete, Treibstofflieferungen blockierte und Kuba mit militärischen Maßnahmen drohte. Kuba steht in der Tat am Abgrund und wird dies wahrscheinlich nicht überleben, da die unmenschlichen und kriminellen Handlungen der zweiten Trump-Regierung die Insel in eine tiefe humanitäre Krise gestürzt haben.
Im folgenden Interview spricht Danny Shaw über Trumps Politik der Isolierung Kubas, nachdem er sich aus erster Hand ein Bild von den auf der Insel herrschenden Verhältnissen gemacht hat, und analysiert die Auswirkungen des Wirtschaftsembargos auf die Bevölkerung. Danny Shaw ist Wissenschaftler im Bereich Lateinamerika- und Karibikstudien [bis 2024 an der City University of New York; Anm. d. Red.] und ein langjähriger Unterstützer der kubanischen Revolution. Vor kurzem reiste er durch Kuba, wo er für The Grayzone die erschütternden Zustände dokumentierte, die nach der Verhängung einer Energieblockade durch die Trump-Regierung herrschten.
C. J. Polychroniou: US-Präsident Donald Trump hat die Monroe-Doktrin durch eine Reihe energischer Maßnahmen in der westlichen Hemisphäre wiederbelebt, darunter den Angriff auf Venezuela, der zur Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro führte, sowie Militärschläge gegen Fischereiboote in der Karibik. Es mag nicht ganz klar sein, was die Kanonenbootdiplomatie der Trump-Regierung antreibt, doch Kuba, das das vielleicht längste Wirtschaftsembargo der modernen Geschichte erdulden musste, steht als Nächstes auf der Abschussliste des Möchtegern-Diktators. Danny, kannst du etwas zu den politischen Maßnahmen sagen, die die zweite Trump-Regierung ergriffen hat, um Kuba weiter zu isolieren und dabei die Wirtschaft des Landes und seine Bevölkerung zu strangulieren?
Danny Shaw: Am 29. Januar ergriff die Trump-Regierung – die wahre Presseabteilung der Milliardärsklasse mit globaler Reichweite, wie wir von Caracas bis Teheran gesehen haben – Maßnahmen, um die kubanische Wirtschaft vollständig lahmzulegen. Die Drohungen gegen jedes Land, das Öl an Kuba verkaufte oder weiterhin Handel mit Kuba trieb, verschärften einen bereits seit langem andauernden, illegalen und einseitigen Wirtschaftskrieg. Washington und seine rechten Handlanger auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gingen zudem gegen kubanische medizinische Missionen von Honduras bis Jamaika vor, die Kuba dringend benötigte Devisen einbrachten und vor allem marginalisierten Bevölkerungsgruppen in ganz Amerika und der Welt medizinische Versorgung ermöglichten. Ecuador und Costa Rica wiesen die kubanischen Botschaften aus. Die Trump-Regierung hat der Welt klargemacht: Jeder Versuch, die kubanische Regierung zu unterstützen, wird strafrechtlich streng verfolgt. Konkret bedeutet dies, dass Kuba isolierter und verzweifelter ist als je zuvor.
Wir müssen Trumps Energieblockade im Kontext einer Wirtschaftsblockade betrachten, die Kuba seit 1991 – dem Jahr, in dem die Sowjetunion und die Länder des Ostblocks zusammenbrachen – am Leben hält. Über Nacht halbierten diese Maßnahmen die durchschnittliche Kalorienzufuhr der Kubaner. In regelmäßigen Abständen, sowohl unter demokratischen als auch unter republikanischen Präsidenten, hat die US-Regierung mit chirurgischer Präzision in die kubanische Wirtschaft eingegriffen. Mit einer Strategie von chirurgischer Präzision, die an die Maßnahmen im Gazastreifen erinnert, hat das Außenministerium Geldüberweisungen unterbunden, den Tourismus zum Erliegen gebracht und jedes ausländische Unternehmen bestraft, das Geschäfte mit Kuba tätigte. Der 29. Januar war ein weiterer Wendepunkt in dieser wahrhaft andauernden „Sonderperiode“, die sich nun für viele kubanische Familien als Todesurteil erweist. Nun gehen das FBI und das Heimatschutzministerium gegen diejenigen von uns vor, die humanitäre Hilfe nach Kuba gebracht haben.
Jedes Wort, das ich äußere – einschließlich meiner Zitate von hungrigen und entmutigten Kubanern – muss im Kontext eines 67 Jahre andauernden Krieges gegen ein Land gesehen werden, das danach strebt, sich von imperialistischer Herrschaft zu befreien. Als Ethnograf, seit 2014 als Analyst für internationale Angelegenheiten beim kubanischen und venezolanischen Fernsehen tätig und als jemand, der seit über drei Jahrzehnten fließend kubanisches Spanisch spricht, habe ich viel engen Kontakt zu Kubanern, ihren Meinungen und ihren Kämpfen gehabt. Wir müssen auf das ursprüngliche Memorandum [1] des Außenministeriums [der USA; Anm. d. Red.] zurückgreifen, das am 6. April 1960 von Lester Mallory, stellvertretender Staatssekretär für interamerikanische Angelegenheiten, verfasst wurde:
„…daraus folgt, dass unverzüglich alle möglichen Maßnahmen ergriffen werden sollten, um das
Wirtschaftsleben Kubas zu schwächen. Wird eine solche Politik beschlossen, so sollte dies das Ergebnis einer positiven Entscheidung sein, die eine Vorgehensweise nach sich zieht, die zwar so geschickt und unauffällig wie möglich ist, aber dennoch den größtmöglichen Schaden anrichtet, indem sie Kuba Geld und Versorgungsgüter vorenthält, die Geld- und Reallöhne senkt und Hunger, Verzweiflung sowie den Sturz der Regierung herbeiführt.“
Ich habe die Denkweise der herrschenden Klasse ausführlich zitiert, weil genau das in Kuba seit mindestens 1991 geschieht. Die US-amerikanische Strategie, „Hunger“ und „Verzweiflung“ zu schüren, hat dieses faszinierende, historische Experiment des Widerstands und einer Volksregierung vollständig zerschlagen. Was ich im Februar, März und April dieses Jahres in Kuba erlebt habe, war apokalyptisch.
C. J. Polychroniou: Die Trump-Regierung hat in Venezuela einen Führungswechsel erzwungen, doch es ist umstritten, ob es dabei auch zu einem Regimewechsel gekommen ist. Was Kuba betrifft, scheint der Plan jedoch auf einen Regimewechsel abzuzielen, obwohl die dortige Regierung nichts unternimmt, was die Vereinigten Staaten bedrohen könnte. Warum strebt Trump einen Regimewechsel in Kuba an und zu welchem Zweck? Wessen Interessen dient er damit wirklich?
Danny Shaw: Trump ist die ultimative Ablenkung. Wie bei allen Milliardären, die in ihrer eigenen Blase leben, hat er keine Konsequenzen für seine Lügen, Drohungen und sein allgemeines Clowns-Gehabe zu befürchten. Doch hinter dem bombastischen, arroganten Milliardär stehen die wahren globalen Machthaber, eine kleine Gruppe von 2.800 Milliardären, die das Schicksal der Menschheit lenken wollen. Sie nutzen Trump als ihren Sprecher, um eine faschistische globale Agenda durchzusetzen, die vor 2016, als er erstmals an die Macht kam, noch als unmöglich galt.
Der Krieg gegen Kuba und alle Staaten, die irgendeine Form von Widerstand leisten – China, Nicaragua, Venezuela, Simbabwe, Palästina, Russland usw. – soll uns immer wieder vom „Ende der Geschichte“ überzeugen. Von der Vorstellung, dass es unvermeidlich sei, sich den Milliardären und künftigen Billionären zu beugen.
Die Mainstream-Medien stellen „Kuba“ seit langem als „gescheiterten sozialistischen Staat“ dar. Dies dient den ideologischen Interessen des Imperiums. So können sie diese „elende Insel“ – losgelöst von jeglichem Kontext – präsentieren und auf CNN und Fox diesen schrecklichen Ort zeigen, aus dem die eigene Bevölkerung in Scharen flieht. Millionen Kubaner sterben und wandern aus. Schon vor dieser Krise, der extremsten aller Zeiten, schrumpfte [2] die kubanische Bevölkerung zwischen 2020 und 2024 um 1,4 Millionen. Die kapitalistischen Medien können diese Realität dann propagandistisch einer Illusion von extremem Überfluss und Exzess gegenüberstellen, die sie uns über ihre ideologischen Apparate vor Augen führen. Man denke an soziale Medien, Hollywood, die Mainstream-Medien usw.
Das andere Interesse, das die USA an Kuba haben, ist natürlich wirtschaftlicher Natur. Der kubanische Staat war bislang der oberste Entscheidungsträger in Fragen des Außenhandels und der Investitionen und stellte ein Hindernis für den ungehinderten Zugang von Privatkapital dar. Trump, seine Geschäftsfreunde und Vertrauten werden von Landkäufen, Mineraliengeschäften und dem Erwerb von Hotels an der Küste profitieren. Kuba verfügt seit langem über eine bedeutende Tourismuswirtschaft, aus der sie Kapital schlagen können.
Das sind also einige ihrer Beweggründe. Aber ich finde Ihre Frage interessant – eine Frage, über die ich mir schon seit Jahrzehnten Gedanken mache.
Ehrlich gesagt müsste das Imperium nur einen Schlag austeilen, und schon würde die kubanische Regierung stürzen. Was die Fähigkeit angeht, für das kubanische Volk zu sorgen und es zu verteidigen, ist die kubanische Regierung schon vor langer Zeit gestürzt, wohl schon 1991.
Das Privateigentum ist in Kuba mittlerweile auf dem Vormarsch, und das wohl schon seit 1991. Welche Führung dort auch immer an der Macht ist – auch wenn sie täglich patriotische Erklärungen abgibt –, es ist nicht die Führung von Fidel, Che und Camilo, die wir westlichen Linken seit 1959 geliebt und verteidigt haben. Was ich in den vergangenen 31 Jahren gesehen habe, war ein Volk, das sich selbst überlassen war. Das Ethos und die allgemeine Mentalität in Kuba sind nicht die historischen Slogans der Revolution „Patria o Muerte“ und „Venceremos“ („Vaterland oder Tod“ und „Wir werden siegen“), es sind vielmehr das „Gesetz des Dschungels“ und „Jeder für sich“.
Während linke Touristen an einem verklärten, überholten Bild dieses Museums des Sozialismus festhalten, herrscht in Kuba bereits eine andere Mentalität vor, insbesondere unter den beiden Generationen, die in der „Sonderperiode“ geboren wurden. In der Provinz Sancti Spiritus wohnte ich beispielsweise bei einer Familie, deren Lebensumstände relativ stabil waren. Der Vater war ein pensionierter Leichtathletiktrainer, die Mutter eine pensionierte Physiotherapeutin. Der Sohn spielt professionell Basketball in Brasilien und ist mit 2,10 Meter einer der größten Kubaner des Landes. Seit Jahren geben sie zwei älteren Nachbarn, Sonia und Francisco, einen Teller Essen. Das können sie sich nun nicht mehr leisten, da sie sich und ihre unmittelbare Familie kaum noch ernähren können. Sonia und Francisco sind nun hungrig und unterernährt. Sie werden bald sterben, zwei weitere anonyme Opfer dieser makabren US-Außenpolitik. Doch wer wird ihren Tod dokumentieren? Wer wird ihre Namen kennen? Die örtlichen Behörden werden lediglich vermerken, dass sie an Altersschwäche gestorben sind.
Und genau das passiert derzeit jeden Tag in Kuba. Aus dem weit verbreiteten Hunger ist eine massenhafte Unterernährung geworden, und mit jedem Tag, der verstreicht, gibt es mehr Todesfälle. Viele Kubaner berichten, dass in den historisch am stärksten vernachlässigten Gebieten wie Guantánamo und Las Tunas bereits Hungersnot herrscht.
Ich glaube also, dass die Möglichkeit, in Florida mit dem Finger auf andere zu zeigen und Gesetze zum „Gedenken an die Opfer des Kommunismus“ zu erlassen, den Interessen der Milliardäre dient. Das erklärt zum Teil, warum sie sadistisch darauf aus waren, in Kuba so viel Leid zu verursachen.
C. J. Polychroniou: Wie Sie bereits erwähnt haben, waren Sie kürzlich in Kuba und haben die Insel bereist. Beschreiben Sie bitte die tatsächlichen Verhältnisse, die Sie dort vorgefunden haben.
Danny Shaw: Lassen Sie mich Ihnen einen tieferen Einblick in die Klassenwidersprüche geben, die in Kuba schon seit langem zutage treten.
Eines der ersten Dinge, die einem Kuba-Besucher auffallen werden: Der Privatsektor wächst, während die Bevölkerung Hunger und Durst leidet. Es ist wichtig klarzustellen, dass Marco Rubio, Trump und die Architekten der Verschärfung des Wirtschaftskriegs gegen Kuba gleichzeitig den privaten Sektor stärken. So dürfen die Inhaber privater Unternehmen, die MIPYMEs [Micro, pequeñas y medianas empresas, also Mikro-, Klein- und Mittelständische Unternehmen; Anm. d. Red.], Benzin, Generatoren, Lebensmittel usw. importieren. Es sind die kubanischen Massen, die völlig abgeschnitten sind, während ein aufstrebender Wirtschaftssektor seine wirtschaftliche Macht auf der Insel weiter festigt und dabei als Brückenkopf für Miami und Washington fungiert. Doch um Zugang zu diesen privaten Geschäften zu erhalten, muss man Dollar oder große Bündel kubanischer Pesos besitzen. 99 Prozent der Kubaner haben weder das eine noch das andere. Die privaten MIPYMEs bieten zwar auch qualitativ hochwertigere Lebensmittel an, doch das sind private Privilegien-Inseln oder „Little Miamis“, die sich nur sehr wenige Kubaner leisten können.
Vier Tage nachdem die Guerilla am 1. Januar 1959 in Havanna die Macht übernommen hatte, fragte [3] Fidel Castro eine Menschenmenge von Zehntausenden in Camagüey: „Wie können wir dies unsere Heimat nennen, wenn die Heimat uns nichts gibt?“ Heute wird diese heldenhafte Rede, die aus dem Kampf gegen Imperialismus und Diktatur entstanden war, von den Kindern, Enkeln und Urenkeln jener Generation von Kubanern verbreitet. Sie fragen: „Warum werden wir aus unserem eigenen Land ausgeschlossen?“
Kubanische Kinder haben derzeit insgesamt betrachtet weniger Zugang zu Spielzeug und Lebensmitteln, als ich es in ganz Haiti erlebt habe, seit ich 1998 zum ersten Mal dort war. Einige meiner Freunde in Kuba haben mich gefragt, ob es für sie eine Möglichkeit gibt, nach Haiti zu fliehen. Haitianische Medizinstudenten, die ich in Santiago kannte, und andere Haitianer waren gezwungen, aus Kuba zu fliehen und in ihre umkämpfte Heimat zurückzukehren, weil die Lage in Kuba so schlimm ist. Wenn Haiti als Maßstab für relativen Wohlstand dient, ist das der ultimative Indikator dafür, wie stark Kuba blockiert und wie verzweifelt die Lage dort ist.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse gelangen nicht vom Land in die Stadt. Jeden Tag nehmen Hunger, Unterernährung und die drohende Hungersnot zu. Das kubanische Volk sagt, es habe keine Stimme. Die Schwächsten – ältere Menschen, Kinder und Gefangene – sterben bereits. Es herrscht ein starkes Gefühl allgemeiner Hoffnungslosigkeit. Es gibt keine funktionierenden Verkehrsmittel. Doch während man auf Busse wartet, die niemals kommen, rasen importierte Autos aus Miami über die Autobahnen. Die Menschen sagen, das seien reiche Kubaner oder Regierungsbeamte. Die Menschen vertrauen ihrer Regierung nicht und sehen in ihr einen zentralen Akteur der Völkermordkampagne, der sie ausgesetzt sind.
Lass uns mal die Zahlen hinter der Hungersnot genauer betrachten, CJ. Denn wir alle konzentrieren uns auf US-Drohnen, Bomben und Bodentruppen, aber die Invasion [4] hat bereits begonnen. Was sich in den kommenden Tagen und Monaten abspielen wird, ist die Konsolidierung der x-ten US-Intervention in die Angelegenheiten der Menschen in der Karibik, in Südamerika und auf der ganzen Welt. Und sie wird weiterhin viele Menschenleben auslöschen. Es ist keine Übertreibung wenn Kubaner sagen, dass ihr Land heute einem Gaza ohne Bomben gleicht.
Ein Liter Benzin kostet in Kuba mehr als 6000 Pesos (10 US-Dollar), eine Gallone also 40 US-Dollar. Das durchschnittliche Gehalt oder die durchschnittliche Rente eines Kubaners beträgt monatlich 2400 Pesos (4 US-Dollar). Eine Flasche türkisches Sonnenblumenöl zum Kochen kostet 1.500 (2,50 US-Dollar), ein Pfund Reis kostet 350 (0,60 US-Dollar), und die Stromrechnung – sofern überhaupt Strom vorhanden ist – beträgt 400 bis 500 Pesos (weniger als 1 US-Dollar pro Monat). Das heißt, dass allein diese Kosten das gesamte monatliche Einkommen eines Kubaners aufbrauchen.
In Kuba kann man, egal wie viel Geld man auf der Bank hat, nur 2 oder 3 Dollar abheben. Deshalb sieht man überall in Kuba lange Schlangen von Rentnern und Familienoberhäuptern, die den ganzen Tag vor den Banken warten und versuchen, an ihr Geld zu kommen. Kuba ist ein Land der Schlangen, der langen Schlangen.
Die Säuglingssterblichkeitsrate ist in Kuba um 148% gestiegen [5] [hier fehlt eine Angabe zum Zeitraum.]. Alexander Main, Direktor für internationale Politik beim CEPR, erklärt:
„Die Politik von Trump, maximalen Druck auf Kuba auszuüben, hat vielen Babys das Leben gekostet … Es ist sehr wahrscheinlich, dass derzeit noch mehr Babys sterben, und zwar mit einer noch höheren Rate als im letzten Jahr – als Folge der aktuellen US-Treibstoffblockade gegen Kuba.“
Viele Familien müssen mitten in der Nacht aufstehen, weil dies die einzige Zeit ist, in der sie für ein paar Stunden Zugang zu Strom haben. Die Zahlen zu Schlaflosigkeit, Depressionen und allen Indikatoren für psychische Gesundheit schießen in die Höhe. Der US-Terrorismus nimmt viele verschiedene Formen an.
Bis zum Erscheinen dieses Artikels werden die Hyperinflation und die Abwertung des kubanischen Pesos weiter zugenommen haben. Jeden Tag verliert der Peso gegenüber dem Dollar an Wert, was die Kaufkraft der Kubaner noch weiter schmälert. Seit 1995 erzählen mir Kubaner hinter vorgehaltener Hand, dass die Behörden sie sofort verhaften würden, wenn sie ihre Lebensrealität filmen oder versuchen würden, sich gegen die wirtschaftlichen Ungleichheiten auszusprechen.
Was ist, wenn man Kinder hat? Wie soll man sie ernähren? Kubanische Familien scheuen sich davor, Kinder zu bekommen, weil sie diese nicht ernähren können. Der Krieg gegen Kuba ist ein demografischer Krieg [6], ein Krieg zur Entvölkerung. Aus Sicht des Kapitals ist Kubas Bevölkerung überzählig und entbehrlich, insbesondere alte Menschen, die der Revolution im Allgemeinen treuer sind, weil sie sich noch daran erinnern können, wie es vor 1991 war. Ähnlich wie in Palästina und Haiti können ganze Bevölkerungsmassen vertrieben und ausgerottet werden. Warum sollte sich das Kapital dafür interessieren? Und warum sollte es die westliche Öffentlichkeit interessieren, die noch nie ein positives Wort über diese „Drecksländer“ gehört hat, um den stets so eloquenten Trump noch einmal zu zitieren.
Religion, Alkohol- und Drogensucht [7] finden bei einer Bevölkerung, die diese düstere materielle Realität nicht überwinden kann, einen Nährboden. Alle Zutaten für einen ökonomischen Völkermord sind vorhanden. Die Kubaner, die ich in Las Tunas, Holguín oder Granma traf und mit denen ich Zeit verbrachte, machten sich keine Sorgen um imperialistische Drohnen oder Bomben. Sie sagten, die Bomben des Dursts und des Hungers seien schon lange ihr größter Feind. Der koloniale Tod kommt in vielen verschiedenen Formen daher.
C. J. Polychroniou: Vertreter der kubanischen Regierung haben erklärt, dass das Land im Falle einer US-Invasion bis zum bitteren Ende kämpfen werde. Aber ist es realistisch zu erwarten, dass eine hungernde Nation im Falle einer groß angelegten Invasion der Insel durch die mächtigste und modernste Armee der Welt Widerstand leisten wird?
Danny Shaw: Außenminister Bruno Rodríguez selbst erklärte [8]: „Es scheint, als habe die US-Regierung einen gefährlichen Weg eingeschlagen, einen Weg, der zu unvorstellbaren Folgen, zu einer humanitären Katastrophe, zu einem Völkermord führen könnte.“ Anschließend sagt er, was jeder Staatschef sagen muss, was aber schwer ernst zu nehmen ist: „Kuba wird sein Recht auf legitime Verteidigung bis zu den äußersten Konsequenzen ausüben, mit massiver Unterstützung der Bevölkerung.“ Solche kämpferischen Regierungserklärungen sind weit entfernt von der Stimmung in der Bevölkerung.
Wenn wir unsere Bewegung aus Aktivisten, Marxisten, Linken oder wie auch immer wir uns nennen, betrachten, tun wir so, als wäre es 1959 oder 1989, und als stünden Fidel und gut ausgebildete, ehrliche Revolutionäre noch immer an der Spitze des Staates. Wenn wir nicht ehrlich über diese Frage der Führung, des kubanischen Staates und der Massen nachdenken können, machen wir uns dann nicht mitschuldig an der anhaltenden Unterdrückung und Aushungerung der heutigen mambisado (der Massen, die gegen Spanien für Kubas Unabhängigkeit gekämpft haben)? Beurteilen wir eine Revolution anhand der objektiven und subjektiven Bedingungen, mit denen die Menschen konfrontiert sind, oder anhand des jüngsten Interviews oder der jüngsten Rede von Díaz-Canel? Hat sich irgendeiner dieser Aktivisten, die Kuba verteidigen, jemals außerhalb des Hotels Nacional und außerhalb der von der Regierung gelenkten Führungen bewegt? Wenn wir die objektiven und subjektiven Bedingungen in Kuba falsch darstellen, machen wir uns dann nicht auf unsere eigene Weise mitschuldig am Krieg gegen Kuba, der nach Aussage der Kubaner sowohl auf eine interne als auch auf eine externe Blockade zurückzuführen ist?
Zu glauben, Kuba könne in irgendeiner Weise Widerstand leisten, ist lächerlich. Wie soll ein halbverhungertes, unbewaffnetes Volk dem größten Militär mit dem größten Budget – 1,5 Billionen Dollar – in der Geschichte der Welt Widerstand leisten? Die Kubaner sagten mir überwiegend, dass sie es so satt hätten, sich „durchzuschlagen“, „zu überleben“ und „Widerstand zu leisten“. Abgesehen von einigen älteren Veteranen des heldenhaften Befreiungskriegs in Angola und jener Generation von Kämpfern traf ich fast keine Kubaner, die auch nur den geringsten Enthusiasmus für die Idee zeigten, sich gegen die Vereinigten Staaten zu wehren. In ganz Kuba herrscht völlige Demoralisierung. Übertriebene linke Vergleiche mit dem „Volkskrieg“ in Vietnam unter der Führung von Ho Chi Minh und General Nguyen Vo Giap sind albern und unehrlich. Die Kubaner sehen ihre Regierung und Polizei als mitschuldig an allem, was geschieht. Warum sollten sie für einen Prozess sterben, an den sie schon lange nicht mehr glauben? Die westliche „Linke“ hat keine Ahnung von den objektiven und subjektiven Verhältnissen in Kuba, weil wir uns unkritisch an der kubanischen Regierung orientieren. Der Privatsektor könnte in Kuba nicht auf dem Vormarsch sein, wenn es keine Absprachen mit hochrangigen Beamten gäbe. Die kubanische Bevölkerung nimmt wahr, dass Regierungsbeamte öffentlich das eine sagen, hinter den Kulissen aber nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Und wenn man sich die Aussagen dieser Generation von Castros [9] auf CNN anhört, ist das genau das, was sie sagen. Sie loben den Kapitalismus und positionieren sich so, dass sie sich an die unvermeidliche Rückeroberung der Insel anpassen können.
Die kubanische Führung und ihre linken Amtskollegen haben sich auf das eingelassen, was wir als „Hochpolitik [10]“ bezeichnen können. Die spanische Forscherin für Kommunen in Venezuela, Cira Pascual Marquina [11], erklärt, dass wir unsere Schlussfolgerungen oft auf „institutionelle Erklärungen, Verhandlungen und geopolitische Reaktionen stützen – während wir das dichte Geflecht der alltäglichen politischen Praxis übersehen, das den Prozess stützt“. Man betrachte den venezolanischen General Vladimir Padrino und seine gesamte Rhetorik vor dem 3. Januar über einen „Volkskrieg“ in Venezuela, der sich allen Bemühungen der Trump-Regierung widersetzen würde. Welchen Widerstand gab es in Venezuela? Heute, sechs Monate nach der US-Besetzung Venezuelas, ist Padrino Landwirtschaftsminister.
All diese heldenhaft klingenden Reden verschleiern die Realität der kubanischen Massen und richten wohl mehr Schaden als Nutzen an. Als Anhänger der kubanischen Revolution habe ich Jahre, wenn nicht Jahrzehnte darauf gewartet, einige dieser Dinge öffentlich auszusprechen. Denn auch hier stehe ich auf der Seite von David, nicht von Goliath. Doch Wissenschaftler und Unterstützer Kubas müssen die ganze Wahrheit laut aussprechen. Meine Aufgabe ist es nicht, die Reden und Positionen der kubanischen Regierung nachzuplappern, wie es die Linke hier im Westen tut, sondern einer Bevölkerung eine Stimme zu geben, die in einem drohenden wirtschaftlichen Völkermord gefangen ist, eingeklemmt zwischen zwei Bürokratien. Hier [12] findet sich ein Essay eines kubanischen Studenten in Irland, der brillant einfängt, wie sich das kubanische Volk zwischen zwei konkurrierenden Rhetoriken gefangen fühlt, die beide seine Interessen ignorieren.
C. J. Polychroniou: Der US-Imperialismus ist nie verschwunden, sondern ist unter der zweiten Trump-Regierung völlig außer Kontrolle geraten. Lässt sich das Ungeheuer zähmen?
Danny Shaw: In Kuba ist Miami der Ort, an dem man am ehesten kubanisches Essen bekommt.
Es ist surreal. Nachdem ich einen Monat lang in Kuba mit Dehydrierung und Hunger zu kämpfen hatte, kehrte ich – wie andere Aktivisten und Freunde Kubas auch – zurück, um in Miami vom FBI festgenommen und verhört zu werden. Als ich nach meiner dritten Festnahme und Vernehmung in weniger als zwei Jahren freigelassen wurde, ging ich durch einen Flughafen, der mit Lebensmitteln und Konsumgütern aller Art überfüllt war. Der Kapitalismus ist die Anhäufung von Elend auf der einen Seite und Luxus auf der anderen. Die Donroe-Doktrin [13] bedeutet, dass der US-Imperialismus jeden Versuch Chinas, Russlands, des Irans usw., eine Multipolarität auf dem amerikanischen Kontinent aufzubauen, im Keim erstickt und jedes „schlechte Beispiel“ oder jeden „abtrünnigen Staat“, der sich seiner Hegemonie entzogen hat, erneut kolonialisiert. Eine Reform des US-Imperialismus ist unmöglich. Nur die Einheit der unterdrückten Völker, wie sie sich in multipolaren Projekten wie den BRICS+-Staaten ausdrückt, könnte das Imperium jemals besiegen. Das ist derzeit die einzige Hoffnung, dieses Ungeheuer zu besiegen, das widerständige Bevölkerungen weiterhin aushungern, bombardieren und einem Völkermord aussetzen wird, bis ihm ein Messer in den Hals gestoßen wird.
Ähnlich wie der Krieg gegen Haiti – zunächst durch den Einsatz paramilitärischer Banden ab 2018 und nun durch Erik Prince [14] und seine privaten Sicherheitsfirmen, um die einst widerständige Bevölkerung von Port-au-Prince und Latibonit (einem weiteren Departement oder einer Provinz Haitis) zu vertreiben – stellt dies das jüngste und intensivste Kapitel des Krieges gegen das kubanische Volk dar. Kubaner sterben schweigend, während Vertreter der US-Regierung davon sprechen, Kuba „Freiheit“ zu bringen, und Vertreter der kubanischen Regierung Reden über Kubas „historischen Widerstand“ halten. Was ich seit 1995 in Kuba erlebt und miterlebt habe, stellt einen andauernden wirtschaftlichen Völkermord an einer wehrlosen, mundtot gemachten Bevölkerung dar.
Dieser Text wurde zuerst am 10.06.2026 auf www.znetwork.org unter der URL <https://znetwork.org/znetarticle/trumps-cuba-strategy-constitutes-economic-genocide/> veröffentlicht. Lizenz: Danny Shaw, C.J. Polychroniou, Z Network, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] U.S. Department of State (06.04.1960): „499. Memorandum From the Deputy Assistant Secretary of State for Inter-American Affairs (Mallory) to the Assistant Secretary of State for Inter-American Affairs (Rubottom)“. Office of the Historian. <https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1958-60v06/d499>
[2] (30.05.2025): „Cuba’s Population Shrinks by 1.4 Million in Five Years“. Belly of the Beast. <https://www.bellyofthebeastcuba.com/news/cubas-population-shrinks-by-14-million-in-five-years>
[3] PRIMER MINISTRO (04.01.1959): „DISCURSO PRONUNCIADO POR EL COMANDANTE FIDEL CASTRO RUZ, EN LA PLAZA DELA CIUDAD DE CAMAGÜEY, EL 4 DE ENERO DE 1959.“. Cuba.cu. <http://www.cuba.cu/gobierno/discursos/1959/esp/f040159e.html>
[4] Danny Shaw (02.06.2026): „The Donroe Doctrine Strangles Cuba“. Counterpunch. <https://www.counterpunch.org/2026/06/02/the-donroe-doctrine-strangles-cuba/>
[5] (06.05.2026): „Headlines May 06, 2026“. Democracy Now!. <https://www.democracynow.org/2026/5/6/headlines>
[6] The Grayzone – Danny Shaw (17.03.2026): „Deprivation and depopulation: inside Cuba under US siege“. YouTube. <https://youtu.be/7eBpuUNUIKE?si=S6fA3Owfll1JIekQ>
[7] Danny Shaw (28.05.2026): „Addiction Today in Cuba Post 1959, Cuban society knew a level of social peace foreign to most societies in South American & the Global South. The War on Cuba has ushered in a return of the hunger, thirst & despair that characterized Cuba before the Revolution. One direct consequence of the U.S. War on its neighbor has been the rise of alcoholism & addiction to “el kímiko.” Marginalized Cubans smoke synthetic chemicals (like MDMB-4en-PINACA) or horse tranquilizer in a “papelito” (rolling paper) to forget about the material reality of scarcity that stalks & haunts them. In some areas of Cuba, “the Cuban crack,” as I call it because of how cheap and accessible it is, is now a pandemic that has local youth in its grip.“. Instagram. <https://www.instagram.com/p/DY4oH8yRl9z/>
[8] Meredith Deliso (07.05.2026): „Cuban foreign minister warns US on ‚dangerous path‘ that could lead to ‚bloodbath in Cuba’“. abc News. <https://abcnews.com/amp/International/cuban-foreign-minister-warns-us-dangerous-path-lead/story?id=132745941>
[9] Patrick Oppmann, Abel Alvarado (30.03.2026): „‘The majority of Cubans want to be capitalist’: Why Fidel Castro’s influencer grandson is for a deal with Trump“. CNN. <https://www.cnn.com/2026/03/30/americas/cuba-sandro-castro-interview-latam-intl>
[10] Cira Pascual Marquina (30.04.2026): „What Cannot Be Unlearned: The Defense of the Bolivarian Revolution“. Monthly Review Online. <https://mronline.org/2026/04/30/what-cannot-be-unlearned-the-defense-of-the-bolivarian-revolution/>
[11] siehe [10]
[12] Carlos Manuel Cejas (25.04.2026): „My country is not your talking point“. Trinity News. <https://www.trinitynews.ie/2026/04/my-country-is-not-your-talking-point/>
[13] siehe [4]
[14] Juhakenson Blaise (15.08.2025): „Blackwater founder Erik Prince reveals details on 10-year contract with Haitian authorities“. The Haitian Times. <https://haitiantimes.com/2025/08/15/erik-prince-10-year-contract-with-haiti/>




