03/2025

Magazin

XXXXX... Wie die EU Kritiker löscht

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1932 oder 1934?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Leben Sie noch gerne im besten Deutschland aller Zeiten? Ich nicht. Ich finde es passt, dass sich dieses Land, seine Politik und seine Medien immer öfter immer massiver selbst loben. Müssen. „Unsere“ Demokratie sei in Gefahr, heißt es, deshalb müsse sich die Bevölkerung hinter den angeblich seriösen Parteien, Interessengruppen und Medien versammeln, um zu verhindern, dass DunkelmännerInnen die Gesellschaft übernehmen. Leider kenne ich eine ganze Reihe Menschen, die, überzeugt, das Richtige zu tun, sich auf angesagten Demonstrationen versammeln. „Da sind ganz normale Menschen, viele Familien, es ist wie auf einem Popkonzert. Wirklich cool. Schau Dir das doch mal an.“ Ich bezweifle es ja gar nicht. Aber diese Demonstrationen werden dadurch ihr unangenehmes Geschmäckle nicht los. Sie sind Teil eines Gesamtbildes, das mich anwidert.

Das Land, in dem ich leben will, beweist sich nicht durch fest geschlossene Reihen gleichgeschalteter Demonstranten, die gegen Volksfeinde von rechts oder links vorgehen wollen. Die Einwohner meines Liebblingslandes verweisen lakonisch darauf, dass sich hier auch Menschen wohl fühlen können, die „ziemlich abgespaced“ sind, dass hier jeder seine dissidente Ansicht vertreten kann, dass es einen Konsens gibt, dass Dissidenten nicht nur toleriert werden sondern erwünscht sind, als Salz in der Suppe, als Beweis für eine realexistierende Freiheitsliebe. Der Meinungskorridor meines erträumten Landes ist ein Urwald.

Es gibt dieses Land nicht, es ist eine Utopie.

Was real existiert, ist eine Dystopie, die nicht mehr nach 1932 riecht, sondern mittlerweile nach 1934. Realexistierend ist eine autoritäre, totalitäre EU, die jetzt zum ersten mal deutsche Journalisten de facto ausgebürgert und enteignet hat – wegen prorussischer Propaganda. Ohne dass dieser Frontalangriff auf die Presse und Ausdrucksfreiheit Protest in der Öffentlichkeit oder den Mainstream-Medien hervorgerufen hätte. Das ist das Hauptthema dieses Heftes. Wenn Sie sich ein eigenes Bild von der Qualität von Thomas Röpers „Desinformation“ und „Fake News“ machen wollen, die ihm die existentielle Vernichtung eingebracht haben, empfehle ich seine Diskussion mit Nico Lange von der Münchner Sicherheitskonferenz und mir, die sie -noch- in YouTube unter dem Titel „Offener Diskurs Ukraine-Russland Konflikt am 8.11.24“ finden können.

Mit den neuesten EU Sanktionen gegen Russland wurden nicht nur Deutsche bestraft. Offenbar konnte auch der französische Sicherheitsstaat seine Zensur-Wunschliste einreichen. Afrikanische Journalisten und Medien, die über die Abkehr der Länder der Sahelzone von Frankreich berichtet haben, wurden wegen „prorussischer Propaganda“ abgeurteilt. Weil sie darüber berichten, dass 90% des dort geschürften Goldes direkt nach Frankreich gehen, ohne den Ursprungsländern zu nutzen. Ähnlich verhält es sich mit dem dortigen Uran und Lithium. Angesichts dieser Tatsachen fragt sich die woke Deutsche Welle: „Sind Sahels Rohstoffe für den Westen verloren?“, statt kritisch darüber zu berichten, dass die EU in alter Kolonialistenmanier die unbotmäßigen Einwohner Afrikas bestraft.

Zu all dem -und zu Gaza- fällt mir nichts mehr ein. Außer dem Satz, den Max Liebermann, ehemals Präsident der preußischen Akademie der Künste, gesagt haben soll, als ein SA Fackelzug 1933 nach der „Machtergreifung“ an seinem Haus vorüberzog: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Dirk Pohlmann, Chefredakteuer Free21

Inhalt der Ausgabe

  • EU sanktioniert deutsche Journalisten

    Sachverhalt Am 20. Mai 2025 erließ der Rat der Europäischen Union (BESCHLUSS (GASP) 2025/966 DES RATES [1]) erstmals Sanktionen gegen zwei deutsche Journalisten – Alina Lipp und Thomas Röper. Unterzeichnet wurde dieser Beschluss von Kaja Kallas als „Präsidentin“ des Rats …

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  • Die EU hat sich beim Vorgehen gegen Kritiker die Ukraine zum Vorbild genommen

    Die Ukraine hat unter Präsident Selenskyj ab Anfang Februar 2021, also weniger als zwei Wochen nachdem Biden US-Präsident wurde, einen Weg eingeschlagen, über den ich seinerzeit ausführlich berichtet habe. Damals hat Selenskyj die letzten regierungskritischen Fernsehsender des Landes verboten [1]. …

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  • Juristische Auslöschung ohne Urteil

    Am 20. Mai 2025 will die Europäische Union das 17. Sanktionspaket verabschieden. Es ist ein Vorgang von historischer Tragweite – nicht wegen seiner Größe, sondern wegen seines Charakters. Denn diesmal betrifft es keine Staaten, keine Konzerne, keine Waffenlieferanten. Es betrifft …

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  • Strafanzeigen gegen Bürgerkommentare:

    Strafanzeigen von Politikern gegen polemisch-kritische und ungehobelte Bürgerkommentare haben sich in den Ampel-Jahren gehäuft. So problematisch wie in Thailand ist es zum Glück nicht. Dort wurde der amerikanische Politologe Paul Chambers im April verhaftet, weil er angeblich den König beleidigt …

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  • Automatisierte Rasterfahndung: Tür zu für Palantir und Co.

    Als vor ein paar Tagen erste Papiere den Verhandlungsstand der Arbeitsgruppen [1] der angehenden Regierungskoalitionäre in der Innenpolitik aufzeigten, gab es wenige Überraschungen. Vieles erinnerte deutlich an die Lektüre der Wahlprogramme. Derzeit brütet eine 19-köpfige Verhandlungsgruppe aus CDU, CSU und …

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  • Taurus? Ja bitte! – Eine paradoxe Intervention

    Sie wollen Deutschland in einen Krieg mit Russland ziehen? Möglichst schnell, nachhaltig und so richtig effektiv? – Da hätte ich eine Idee… Liefern Sie Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine! Solange noch Zeit ist. Also sofort und zwar massenhaft. (Denn es könnte …

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  • Eine kurze Geschichte explodierender Gaspipelines

    Teil 1: <https://free21.org/deutschland-in-der-krise-teil-1-4-der-verlorene-mann-europas/> POTSDAM – Wenn ich an Deutschland denke, kommt mir immer ein einziger kurzer Satz in den Sinn. Ganz gleich, um welches Thema es gerade geht – früher oder später wandern meine Gedanken zu drei Worten, die meiner …

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  • Spar- und Investitionsunion:

    In den letzten Monaten haben wir alle den Druck der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, vernommen, die Schaffung einer Spar- und Investitionsunion (SIU) zu beschleunigen. Ursprünglich als Instrument zur Mobilisierung finanzieller Ressourcen zum Nutzen der europäischen Bürger …

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  • Die Rückkehr von Erik Prince

    Erik Prince, Gründer des umstrittenen Unternehmens Blackwater [2], ist eine wichtige und zwiespältige Figur im Bereich private Sicherheit und bewaffnete Konflikte. Sein beruflicher Werdegang zeigt nicht nur die Umwandlung der Kriegsführung in ein privates Unternehmen [3], sondern auch die Risiken …

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  • „Soundtrack to a Coup d’État“: Neokolonialismus und Widerstand

    Mit Soundtrack to a Coup d'État liefert der Regisseur Johan Grimonprez ein fesselndes historisches Werk, das die Meuterei in den 1950er und 1960er Jahren untersucht. Damals begehrte der globale Süden auf, und zahlreiche Länder erlangten die Unabhängigkeit. Der Film befasst …

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