06/2025
Magazin
„...ich schäme mich für mein Land.”
Liebe Leserinnen und Leser,
der Verein zur Förderung unabhängiger journalistischer
Berichterstattung e.V. wird sich zum Ende des Jahres 2025 auflösen. Diese Ausgabe des Free21-Magazins wird meine letzte sein als Chefredakteur.
Ich bedanke mich bei allen ehrenamtlichen Mitarbeitern und Helfern, die unsere Webseite und das Magazin möglich gemacht haben. Mein besonderer Dank gilt unserem Grafiker und Gestalter Martin Weinknecht, der als „Shooft“ die Titelseiten und Karikaturen gestaltet hat. Seine Arbeit war herausragend, er hat in Reihe Cover produziert, die wir immer mit Spannung erwartet und das gesamte Team begeistert haben. Eigentlich ist ein Sonderheft mit den besten Titelseiten und Karikaturen
des Shooft fällig… Tobias? Denn, hier ist nicht das Ende von Free21!
Nach etlichen Überlegungen ob und wie Free21 auch nach der Auflösung des Vereines weitergeführt werden kann, gibt es jetzt eine Entscheidung, die ich begrüße und unterstützen werde: Der bisherige stellvertretende Chefredakteur Tobias Augenbraun will die Leitung der Website und des Magazins sowie den Versand übernehmen. Was sich wie ändern wird, ist jetzt die Entscheidung von Tobias Augenbraun und seinem neuen Team. Es würde mich sehr freuen, wenn das neue Magazin neue Mitarbeiter und Unterstützer findet und wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, ihm die Treue halten.
Eine gute Nachricht zum Ende meiner Zeit als Chefredakteur: Vor zwei Jahren habe ich während einer Reise nach Weißrussland den neugestalteten „Friedhof der Dörfer“ in Chatyn besucht, eine beeindruckende Gedenkstätte über den Völkermord in Weißrussland, der in Deutschland fast unbekannt ist. 33% der weißrussischen Bevölkerung sind im 2. Weltkrieg von den deutschen Truppen ermordet worden, mehr als 25% als Zwangsarbeiter verschleppt worden. Aber noch nicht mal 1% der heutigen Deutschen haben eine Vorstellung davon, wie sehr die Weißrussen im 2. Weltkrieg zu leiden hatten. Daraus entstand die Projekt-Idee, die Buchdokumentation des Museumsdirektors Artur Zelsky zum Völkermord ins Deutsche zu übersetzen und bei Free21 zu veröffentlichen. Die Verhandlungen mit den offiziellen Stellen in Belarus entwickelten sich sehr erfreulich. Doch Artur Zelsky war bereits schwer erkrankt, als ich ihn kennenlernte und starb, bevor er das Buch fertigstellen konnte. Erst vor wenigen Wochen erhielten wir Nachricht, dass das posthum vom Museum fertiggestellte Buch in deutscher Übersetzung nun von Free21 herausgegeben werden kann. Es wird ein Projekt des neuen Free21-Teams um Tobias Augenbraun!
Ich habe mich außerdem entschlossen, dass Projekt weiter zu begleiten, Tobias Augenbraun dort zu unterstützen, wo er es wünscht, sowie weiterhin als Autor in Free21 zu veröffentlichen.
Ich wünsche Ihnen , liebe Leserinnen und Leser ein fulminantes und friedliches neues Jahr und dem neuen Free21-Team einen erfolgreichen Start! Es war schön mit Ihnen…
Ihr Dirk Pohlmann
Liebe Leserinnen und Leser,
Deutschland, 2025. Ein Land macht sich kriegstüchtig. Die Geschichte vergessen sieht Deutschland den Feind wieder mal im Osten. „Werner, die Russen kommen!“ Der Irrsinn nimmt Formen an, die man sich nach Ende des Kalten Krieges nicht vorstellen hätte können bzw. nicht wollte. War da nicht die Rede von einer Friedensdividende?
Nun rüstet Deutschland massiv auf, investiert in Dual-Use-Infrastruktur und macht sich kriegsbereit, um wieder einmal gegen
die Russen zu kämpfen. Man kann sich dafür nur noch schämen. In einem emotionalen Brief fragt Leo Ensel, wie es überhaupt
soweit kommen konnte, dass Deutschland Russland wieder als Feind betrachtet. Inzwischen zeigen auch Umfragen in Russland, dass Deutschland von den Russen nun als Feind betrachtet wird. Der größte Teil beider Bevölkerungen lehnt Krieg dennoch ab. Immerhin eine gute Nachricht.
In dieser Ausgabe suchen wir nach Erklärungen, warum die deutsche Regierung auf dem Kriegspfad wandelt: Da sind transatlantische Netzwerke, Nicht-Regierungs-Organisationen und Think Tanks, die unsere Politiker und zukünftigen Regierungschefs durch eine transatlantische Kaderschmiede laufen lassen. Dort sind es Leitartikler und Journalisten sogenannter Leitmedien, die in denselben Kreisen verkehren. Ihre Karrieren hängen allesamt an der transatlantischen Nabelschnur (ab Seite 27). Und warum die Bürger nicht in einer großen Friedensbewegung auf die Straße gehen, sich stattdessen dem Autoritären unterordnen, untersucht Jürgen Mietz ab Seite 14.
Den großen Konflikt der US-Hegemonie mit Russland und China, unterstützt Deutschland, indem es sich unterordnet. Die klassische US-Seemacht, die sich nun im Niedergang befindet und von den Kontinentalmächten überholt wird, trägt diesen
Konflikt auch in der Arktis aus. Diese Entwicklungen analysiert Dirk Pohlmann in seinem Artikel ab Seite 19.
Während sich Deutschland zum Krieg rüstet, wird anderswo Frieden zur Farce: Den vom UN-Sicherheitsrat angenommenen „Gaza Peace Plan“ bezeichnet der Friedensforscher Jan Oberg als schlechten Witz, weil eine Kriegspartei kein ernstzunehmender Vermittler in einem Konflikt sein kann. Sowohl die USA als auch Deutschland sind mit den Waffenlieferungen an Israel ganz klar Konfliktpartei. Glücklicherweise haben wir Gatekeeper-Medien, die
verhindern, dass solche Themen die Öffentlichkeit erreichen, wo sie womöglich mit gesunden Menschenverstand beurteilt werden.
Was kann man erwarten von einem Westen und seinen Leitmedien, der nicht nur gegen kritische Journalisten vorgeht, sondern auch einen Richter des internationalen Strafgerichtshofs scharf sanktioniert, weil er seine Aufgabe erfüllt?
Zum Glück befinden wir uns im „besten Deutschland aller Zeiten“, sonst würde ich mir ernsthaft Sorgen machen.
Ihr Tobias Augenbraun
Inhalt der Ausgabe
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„Valentina, ich schäme mich für mein Land!“
Valentina, geliebte Babuschka im vierten Stock der sowjetischen Plattenbausiedlung in der halbe Millionenstadt in der russischen Provinz! Ich schreibe Dir in großer Sorge und unendlicher Traurigkeit. Vor 84 Jahren bist Du auf diese Welt gekommen – zum falschest möglichen Zeitpunkt! …
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Trumps „Friedensplan“ für Gaza: Ein grausamer Scherz in einer Welt, die weder etwas von Konflikten noch von Frieden versteht
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am 17. November 2025 eine von den USA entworfene Resolution, in der Donald Trumps Friedensplan für Gaza befürwortet wurde. Darin wurde eine Internationale Stabilisierungstruppe (ISF) genehmigt, eine Übergangsregierung namens „Board of Peace“ unterstützt und erklärt, dass nun die Voraussetzungen für einen glaubwürdigen Weg …
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Das Begraben der wirklichen Epstein Story
Eines der verrücktesten Dinge, die derzeit passieren, ist, dass es Berichte über Berichte gibt, die basierend auf öffentlich zugänglichen Dokumenten bestätigen, dass Jeffrey Epstein tatsächlich ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter war. Dennoch hat dies keine messbaren Auswirkungen auf die Mainstream-Medien oder die …
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Friedensbewegung: Frei, offen, selbstkritisch?
Was mir auffällt: In den meisten Fällen werden die immense strategische und taktische Schläue, die Skrupellosigkeit bei der Schaffung unterstützender Systeme zur Bewusstseinsbildung, der Einsatz von Drohpotenzialen durch die herrschenden Politikkreise hervorgehoben. Unterbelichtet bleibt, dass alle Schritte und Interventionen durch …
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Alfred Thayer Mahan und die Nordostpassage
Wirklich? Klingt das angeblich welthistorische Ereignis nicht eher nach dem berühmten Sack Reis, der in China umgefallen ist? Warum soll diese Fahrt, sie ist ja nicht einmal die erste eines Frachters durch das nördliche Eismeer, so bedeutsam sein? Die Begründung, …
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Transatlantik-Schlagseite
Der Experte – in den Medien wird er zitiert, wenn etwas zu beweisen ist. Ein Garant für eine unumstößliche Wahrheit. Experten müssen es ja wissen und sind außerdem unabhängig. Das dem nicht so ist, zeigt die Auswahl der Experten, die …
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Eliten-Vereinnahmung und europäische Selbstzerstörung: Die verborgene Architektur der transatlantischen Hegemonie
Vorbemerkung: Das Lansing-Memo kommt nach Berlin Woodrow Wilsons Außenminister Robert Lansing diktierte 1924 das Memo über „ehrgeizige junge Mexikaner“ [1]. Sie kennen den Satz: „Öffnen Sie unsere Universitäten für Ihre Elite, durchtränken Sie sie mit amerikanischen Werten, und sie werden Mexiko …
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Die Ermordung von Premierminister Olof Palme: Teil I
Hintergrund Am 28. Februar 1986 um 23:21 Uhr wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme, nach einem Besuch mit seiner Frau im Kino, im Zentrum von Stockholm erschossen. Er wurde aus einer Entfernung von 20 cm erschossen. Die Kugel ging durch …



