Symbolbild, erstellt mit ChatGPT, gemeinfrei
Menschheit am Scheideweg: Kurzeinführung in die Technokratie
Über den größten und einschneidendsten Umbruch der Zivilisationsgeschichte
Als Donald John Trump, der 45. und seit dem 20. Januar 2025 der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, in seiner ersten Amtszeit der grönländischen Regierung ein Kaufangebot machte [1], sorgte dies natürlich für heftiges Stirnrunzeln bei Analysten und Kommentatoren des geopolitischen Geschehens. Unter Rechtsexperten sogar für Kopfschütteln – wie z.B. bei Prof. Dr. Matthias Goldmann, Fachmann für Völkerrecht, der Trumps Vorschlag mit den Worten kommentierte, dies verstieße gegen das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer.
Doch Trumps Kaufangebot weckte noch andere Assoziationen. Zumindest bei denjenigen, die sich – hier werfe ich Leser gleich ins kalte Wasser – bereits seit längerer Zeit mit dem Schlagwort „Technokratie“ und dem ganzen „Drumherum“ dieses Begriffes – seiner Geschichte, genauer: dem ideengeschichtlichen Substrat, aus dem dieser Begriff erwuchs – beschäftigt haben. Sein kommerzieller „Annäherungsversuch“ kam mir seltsam bekannt vor. Wo hatte ich das schonmal gelesen? Da ich zu dieser Zeit sehr beschäftigt war und die Recherchen zu meinem dritten Buch über Technokratie, „Der neue Technogott: Herrschaft ohne Gesicht“ (unverhohlene Schleichwerbung), auf Hochtouren liefen, fiel es mir glücklicherweise leicht, die Information schnell richtig einzuordnen. Doch möchte ich die Spannung noch etwas aufrechterhalten, daher zögere ich die Auflösung noch ein wenig hinaus und somit die Beantwortung der Frage, was eine mögliche Erweiterung der USA unter anderem um Grönland – aber auch Venezuela (!) sowie Kuba, dies nur am Rande – mit Technokratie zu tun haben könnte.
In seiner zweiten Amtszeit wurde die Angelegenheit noch klarer. Nämlich spätestens, als Trump drohte, Grönland militärisch zu annektieren, also kriegerische Mittel in Betracht zu ziehen [2]. Diplomatische Mittel zu erwägen oder ein Kaufangebot zu unterbreiten, ist eine Sache. Aber – wie bitte? – Krieg gegen die größte Insel der Welt namens Grönland? Was zum Geier haben die USA dort zu suchen? Warum war Trump so erpicht darauf, das Eiland, das zum Königreich Dänemark gehört, unter „seine“ Kontrolle zu bringen? Wie kommt „er“ nur auf solche Ideen? Und warum habe ich die Personalpronomen in Anführungszeichen gesetzt?
Nun zur Auflösung: Weil es gar nicht seine Ideen waren. Sie gehen in eine Zeit vor seiner Geburt zurück. Denn Donald J. Trump erblickte am 14. Juni 1946 das Licht der Welt. Die USA u.a. um Grönland zum sogenannten „Great American Technate“, also dem „Großen amerikanischen Technat“, zu erweitern, wurde schon in den 1930er Jahren vorgestellt – von der Bewegung „Technocracy Inc.“. In einer Ausgabe des Magazins „Technocracy“ vom Juli 1940 – sechs Jahre vor Trumps Geburt – schrieb Howard Scott, ein amerikanischer Ingenieur und eines der Gründungsmitglieder von „Technocracy Inc.“, Zitat:
„Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um diese Gebiete und andere, wie Grönland und die Galapagosinseln, zu erwerben. Der Erwerb dieser Gebiete sollte ein obligatorischer Bestandteil des Programms zur Verteidigung des Kontinents sein und unverzüglich erfolgen – entweder durch Kauf, Verhandlungen oder mit Waffengewalt.“ [3]
Na hoppla.
Doch warum nun diese Erweiterung zum „Großen Amerikanischen Technat“? Besteht das Ziel darin – um vorerst in der konventionellen geopolitischen Sichtweise zu bleiben –, die anglo-amerikanische Machtprojektion und Dominanz in der Welt aufrechtzuerhalten? Geht es nur darum, Konkurrenten um den „globalen Kuchen“ zurückzudrängen? Antwort: Es geht weit darüber hinaus. Denn die konventionelle oder klassische geopolitische Analytik genügt leider längst nicht mehr, um dem derzeitigen Weltgeschehen wirklich gerecht zu werden. Warum nicht? Wieso sollte eine Erweiterung dieses Sichtfeldes nötig sein? Weil es eben nicht nur um Machtprojektion, nicht nur um Geostrategie und herkömmliches nationales bzw. nationalistisches Vormachtstreben geht, sondern um die Errichtung einer Herrschaftsform, die als solche kaum noch oder sogar nicht mehr zu erkennen sein wird. Es wird eine „Herrschaft ohne Gesicht“ sein, um abermals Schleichwerbung für mein Buch unterzubringen.

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Soweit man in der Geschichte zurückblickt, basierten klassische Imperien immer auf einem klar erkennbaren Herrschaftsmodell: Auf- und Ausbau von Macht und ihrer Reichweite – entweder durch diplomatische, kommerzielle oder kriegerische Mittel. Insofern hatte Scott also keine weltbewegend innovativen Vorschläge skizziert. Egal ob es das Griechische Imperium war, das Persische oder das „alte Rom“, ob das „British Empire“, also das britische Kolonialreich, das weltweite Dominanz anstrebte („Britannia rules the waves!“), oder dessen Erbe, das „American Century“, das „Amerikanische Jahrhundert“: Jeder, der in diesen Imperien lebte oder von ihnen erobert wurde, wusste um den Charakter des Herrschaftsmodells: Imperialistisch, kolonialistisch und nicht selten militaristisch.
Und genau wie frühere Imperien, beispielsweise das römische, operierte natürlich auch das britische und erst recht das amerikanische des 20. Jahrhunderts auch mit „Handelskriegen“, kurz: Ökonomische Mittel wurden nicht nur zur Mehrung des eigenen imperialen Wohlstands eingesetzt, sondern auch als Waffe. Der „Internationale Währungsfonds“ beispielsweise, IWF, nutzt finanzielle „Hilfen“, also „großzügige“ Kreditvergabe, schon seit Jahrzehnten als regelrechte Schuldenwaffe, um politische und wirtschaftliche Änderungen in den entsprechenden Ländern durchzusetzen. Man bedient sich dabei der eigentlich sehr simplen Tatsache, dass die Länder, denen mit Abermillionen Dollar „geholfen“ wird, nicht über die nötige nationale Wirtschaftsleistung verfügen, um diese Kredite jemals oder in näherer Zukunft wieder zurückzahlen zu können.
Verzeihen Sie mir bitte den „Crashkurs“ in imperialer Geschichte, aber er ist nötig, um den Unterschied zur heraufdämmernden Technokratie deutlicher hervorzuheben. Jedenfalls setzte das US-Imperium seine Währung, den Dollar, als regelrechte Finanzwaffe ein: „Amerikanische“ – besser: globalistische – Institutionen wie eben erwähnter IWF nutzten beispielsweise Finanzkrisen in anderen Ländern, um mittels „Hilfs“-Krediten mehr Macht über sie zu erlangen. Die „Hilfen“ gab es natürlich nur unter bestimmten Auflagen, und diese lauteten konkret: Ihr gestaltet euer Land nach unseren Vorgaben bzw. zu unseren Bedingungen um, sonst gibt es kein Geld. Die „Finanzspritzen“ dienten also, auf gut Deutsch, der politischen und ökonomischen Erpressung. Das „Wall Street Journal“ schrieb dazu einmal:
„Nach einem Jahr, wie es der IWF hinter sich hat, wäre ein privater Kreditgeber reif für einen großen Umbruch. […] Der IWF lebt von der Krise und wird dies auch weiterhin tun, solange er behaupten kann, er sei der einzige, der die Weltwirtschaft vor einer finanziellen Katastrophe schützt. Diese Idee scheint er dem US-Kongress wieder einmal verkauft zu haben. Der Kongress hält zu seiner eigenen Beruhigung an der Fiktion fest, dass das Geld, das er vergibt, nur ein Kredit sei. Warum nicht einmal versuchen, diesen ‚Kreditʻ einzufordern, um zu sehen, was passiert?“ [4]
Doch das greift noch nicht weit genug. Die Frage muss lauten: Warum sollte er behaupten, er sei „der einzige, der die Weltwirtschaft vor einer finanziellen Katastrophe schützt“? Weil der IWF ein finanztechnokratisches Machtinstrument ist. Ebenso wie die Zentralbanken. Man könnte auch sagen, dass es um die Errichtung und Aufrechterhaltung eines Monopols über die Geldpolitik geht, um finanz- und wirtschaftspolitische Gestaltungsmacht. Auch die Zentralbanken agieren nämlich in finanztechnokratischer Weise – und zwar weltweit. Der amerikanische Historiker Prof. Carroll Quigley fasste die Zielsetzung in seinem fast tausendseitigen Mammutwerk „Tragedy and Hope“ wie folgt zusammen, als er schrieb, die „Kräfte des Finanzkapitalismus“ hätten abgesehen von ihrer geldpolitischen Dominanz auf nationaler Ebene
„noch ein weiteres, weitreichenderes Ziel, nämlich nichts weniger als ein weltweites System der finanziellen Kontrolle in privaten Händen zu erschaffen, dazu fähig, das politische System jedes Landes und die Weltwirtschaft als Ganzes zu dominieren. Dieses System sollte in feudalistischer Manier von den im Konzert agierenden Zentralbanken der Welt gesteuert werden, durch geheime Abkommen, die bei regelmäßigen und privaten Treffen und Konferenzen getroffen werden.“
Die wesentliche Aufgabe dieser Zentralbanken, so Quigley, bestünde darin,
„das Ausmaß der wirtschaftlichen Aktivität im jeweiligen Land zu beeinflussen […]. In jedem Land basierte die Macht der Zentralbank weitestgehend auf ihrer Kontrolle der Kredit- und Geldströme. Im weltweiten Maßstab beruhte die Macht der Zentralbanker auf ihrer Kontrolle der Kredite sowie der Goldflüsse.“ [5]
Sind wir damit aber nicht weit abgeschweift? Es sollte in diesem Artikel doch vorwiegend um den Begriff der Technokratie gehen? Ganz genau. Und der Aufbau von Zentralbanken, die „in feudalistischer Manier“ – quasi als „Lehnsherren“ des Geldes – eine ungeheure finanzpolitische bzw. -technokratische Wirkungsmacht erreichen konnten, war „nur“ ein Schritt auf dem Weg zu einem globalen System – einem „Globalen Technat“ – dem natürlich weitere Schritte folgen sollten.
Einer der wichtigsten dieser weiteren Schritte ist der derzeitige Aufbau eines neuen elektronischen bzw. digitalen Geldsystems: Sogenanntes „Programmierbares Geld“. Wie gesagt: Bitte sehen Sie mir nach, dass ich eine so komplexe Materie im Rahmen eines einfachen Zeitschriftenartikels nicht erschöpfend darstellen kann. Ich muss mich auf die wichtigsten Punkte des technokratischen Denkens fokussieren, und die lassen sich tatsächlich sehr leicht zusammenfassen, nämlich in einem einzigen Wort: Kybernetik [6]. Management. Systemdenken. So „effizient“ wie möglich.
Das Schlagwort Effizienz spielt bei Technokraten eine fundamentale Rolle. Die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme der Vergangenheit wurden als zu ineffizient, zu chaotisch, zu verlustreich angesehen; sie wurden angeblich von – wie immer man das nun definieren will – „zu vielen“ Reibungen zwischen zu vielen sozioökonomischen Gruppen und Kräften in ihrer „Gesamtwirkung“ beeinträchtigt. Diese „Reibungsverluste“ wollte man so weit wie möglich abbauen – durch zentrale Planung. Daher fällt in diesem Kontext auch das Stichwort der Kybernetik: Lehre von der Steuerung. Kurz, Technokratie bedeutet Wirtschaftsmanagement durch eine Elite aus „technisch-wissenschaftlichen Experten“.
Einer der bekannteren ideologischen Vordenker und Stichwortgeber der modernen Technokratie war der amerikanische Ingenieur und Mitbegründer der „Arbeitswissenschaft“, Frederick Winslow Taylor (1856 – 1915). Er trat offen für eben erwähntes Systemdenken ein: Nicht der Mensch stünde mehr an erster Stelle, sondern die Optimierung seines Funktionierens innerhalb eines so effizient wie möglich gestalteten Systems (meine Hervorhebungen):
„In der Vergangenheit stand der Mensch an erster Stelle; in Zukunft muss das System an erster Stelle stehen. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass große Männer nicht gebraucht werden. Im Gegenteil, das oberste Ziel eines jeden guten Systems muss die Entwicklung erstklassiger Menschen sein; und unter systematischer Führung steigt der beste Mann sicherer und schneller als je zuvor an die Spitze auf. […] Das beste Management ist eine echte Wissenschaft, die auf klar definierten Gesetzen, Regeln und Prinzipien als Grundlage beruht. […] Die Grundprinzipien des wissenschaftlichen Managements sind auf alle Arten menschlicher Aktivitäten anwendbar, von unseren einfachsten individuellen Handlungen bis hin zur Arbeit unserer großen Unternehmen.“ [7]
Übrigens, dies nur als faszinierende historische Randbemerkung: Wussten Sie, dass ein gewisser Wladimir Iljitsch Lenin, eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow (1870 – 1924), russischer Revolutionsführer, vom „Taylorismus“, wie er später genannt wurde, also vom technokratischen Denken, stark inspiriert wurde? Lenin:
„Wir müssen in Russland das Studium und die Lehre des Taylor-Systems organisieren und es systematisch ausprobieren und an unsere Zwecke anpassen.“ [8]
Lenin sprach in diesem Zusammenhang auch von „Rechnungslegung und Kontrolle“ – wobei man „Rechnungslegung“ hier gleichsetzen kann mit „Überwachung aller wirtschaftlichen Tätigkeiten und Finanztransaktionen in einem einheitlichen Hauptbuch“. Der Aufbau dieses Systems wurde in den letzten Jahren, vor allem seit der „Corona-Pandemie“ (11. März 2020), stark beschleunigt. Die Rolle dieses „einheitlichen Hauptbuches“ – im Englischen „Ledger“ – soll die Blockchain übernehmen. Aus Platzgründen kann ich hier nicht auf die mittlerweile recht lange und oft verworrene Entstehungsgeschichte der wohl bekanntesten Kryptowährung Bitcoin eingehen – stattdessen verweise ich interessierte Leser auf das Buch „Hijacking Bitcoin. Die verborgene Geschichte des BTC“ des amerikanischen Bitcoin-Pioniers Roger Ver. Er deckte darin auf, wie die – angebliche – ursprüngliche Absicht, eine vom etablierten Finanzsystem abgekoppelte, dezentrale digitale Währung zu schaffen, über die Jahre nicht nur verwässert, sondern diese von den herrschenden Eliten kooptiert wurde. Andere Stimmen hingegen behaupten, Bitcoin sei von vornherein nur eine Art Köder gewesen, entwickelt von einer bis heute ominösen Figur namens „Satoshi Nakamoto“, um möglichst viele Menschen mit Versprechungen exorbitanter Gewinne in einen „digitalen Goldrausch“ zu versetzen und in das geplante neue, elektronische Geldsystem zu locken.

„Was ist Technokratie?: Über den wichtigsten Begriff unserer Zeit. Von Francis Bacon über Henri de Saint-Simon bis Klaus Schwab“ <https://www.amazon.de/dp/B0F374LX5X/>
Wie auch immer man dazu stehen will: Fakt ist, dass die Blockchain [9] die Rolle des bereits von der Organisation „Technocracy Inc.“ avisierten einheitlichen Hauptbuches übernehmen soll. Larry Fink, Chef von BlackRock, zusammen mit Vanguard (The Vanguard Group) und StateStreet einer der größten Vermögensverwalter der Welt – diese drei Konzerne allein managen und bewegen weltweit Beträge in zweistelliger Billionenhöhe (geschätzt 25-30 Billionen, also 25.000-30.000 Milliarden), machte im März 2026 bei einem Vortrag vor US-Führungspolitikern keinen Hehl aus dieser Absicht. Er sagte, es ginge nun um eine – wie er sich ausdrückte – „Umtopfung“ des alten, „analogen“ Finanzsystems in das neue, digitale. Das von den Eliten dafür verwendete Schlagwort lautet „Tokenisierung“ [10] – so viele Vermögenswerte wie möglich sollen digitalisiert und in diesem einheitlichen Hauptbuch, also auf der Blockchain, verwaltet werden:
„Die Tokenisierung realer Vermögenswerte (Real-World Assets, RWA) ist die Umwandlung physischer Vermögenswerte in digitale Token auf einer Blockchain. Befürworter bezeichnen dies als eine Revolution im Bereich des Eigentums. Larry Fink von BlackRock nennt es ‚die nächste Generation für Märkte, die nächste Generation für Wertpapiereʻ. In seinem Jahresbrief des Vorstandsvorsitzenden für 2025 brachte er es auf den Punkt: ‚Jede Aktie, jede Anleihe, jeder Fonds, jeder Vermögenswert kann tokenisiert werdenʻ.“ [11]
Der obige Auszug stammt aus einem Artikel des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Patrick M. Wood, der die Technokratie und ihre Entwicklung mehr als vierzig Jahre lang eingehend studierte. Er verfasste zusammen mit dem Historiker Antony C. Sutton auch das zweibändige Werk „Trilaterals over America“. Wood weiter (meine Hervorhebung):
„Im März 2026 erklärte der CEO von BlackRock, dass ‚die Tokenisierung aller Vermögenswerteʻ keine Zukunftsvision mehr sei. Sie findet bereits statt. Immobilien, Aktien, Anleihen – all das wandert auf die Blockchain-Infrastruktur. Im Januar forderte er eine einzige globale Blockchain, um alle Vermögenswerte weltweit abzuwickeln. Am 11. März flog er nach Washington, um seine Argumente direkt vor den politischen Eliten vorzubringen. Dies ist kein Verkaufsgespräch. Es ist die Einführung einer neuen Politik. […] ‚Umtopfenʻ ist das Wort, das Fink verwendet, um Finanzanlagen aus ihrer aktuellen Form in digitale Hüllen zu übertragen. Eine umgetopfte Pflanze steht weiterhin unter der Kontrolle des Gärtners. Bei vollständiger Tokenisierung existieren Ihr Haus, Ihre Ersparnisse, Ihr Rentenkonto und Ihr Land alle als programmierbare Token auf einer Blockchain. Die Regeln für diese Token werden von Unternehmen wie BlackRock verfasst, von ihnen hörigen Regulierungsbehörden abgesegnet und durch KI-gesteuerte Algorithmen durchgesetzt.“ [12]
Ohne mich unnötig wiederholen zu wollen: Es ist im Rahmen eines Artikels von wenigen Seiten unmöglich, das äußerst reichhaltige Informationsmaterial zur historischen Genese des technokratischen Denkens und seiner zeitgenössischen Umsetzung auch nur annähernd abzuhandeln. Daher werde ich abschließend nur noch ein einziges Artikelzitat bringen, das vor allem hinsichtlich so mancher nicht etwa als „Force Majeur“ bzw. rein zufällig über die Menschheit gekommener, sondern bewusst inszenierter Krisen Bände spricht. Bitte behalten Sie im Hinterkopf, dass Technokratie im Wesentlichen „Herrschaft wissenschaftlich-technischer Experten“ bedeutet:
„Thorstein Veblen war auch der Schöpfer und Anführer von etwas, das sich ‚Sowjet der Ingenieureʻ nannte, was eine neue Weltordnung bedeutete, die auf einem zentralisierten Netzwerk von Ingenieuren beruhte, die die Hebel der Weltmacht für immer monopolisieren würden. Veblen stellte sich eine Welt vor, die nach den darwinistischen Prinzipien des Überlebens des Stärkeren und einem radikalen Determinismus organisiert war, der besagte, dass Ingenieure der höchste Ausdruck der Evolution seien, der im ‚Maschinenzeitalterʻ erreicht wurde. Das bedeutete, dass es eine wissenschaftliche Notwendigkeit für Ingenieure war, die Gesellschaft zu regieren.
Daher schlug Veblen vor, dass sein Sowjet (auch bekannt als Kollektiv) von einem zentralen Direktorium verwaltet werden sollte, das eine globale Reihe von ‚Unterzentren und lokalen Rätenʻ verwalten würde. Dies war die Grundlage für Howard Scotts Technat, das einige Jahre später entwickelt wurde. In Veblens Gleichung müsste diese Organisation von Elite-Technikern zunächst eine kontrollierte Desintegration in der Gesellschaft durchführen, indem sie die Hebel der Industrie und Produktion kontrolliert. Veblen verwendete den marxistischen Begriff des ‚Massenstreiksʻ der Techniker, um die globale Industrie zum Stillstand zu bringen. Mit diesem erzwungenen Neustart könnten die Techniker dann ‚die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Landes übernehmenʻ […].“ [13]
Eine kontrollierte Desintegration, also eine Art „kontrollierte Sprengung“ oder ein gezielter Abbau des globalen Wirtschaftssystems und der Industrie zum Zwecke der darauffolgenden technokratischen Umgestaltung? Eine technokratische Transformation? Na, das passt doch – natürlich wieder nur rein zufällig, nichts hat mit nichts zu tun – zur „Degrowth“- bzw. Deindustrialisierungspolitik, wie wir sie bereits seit Jahren in beschleunigtem Maße erleben dürfen. Die sogenannte „Klimapolitik“, also die vorgebliche „Rettung des Weltklimas“, könnte in diesem Sinne nur ein Vorwand gewesen sein, dem noch weitere, weitaus einschneidendere Schritte folgen könnten – schreibt Mark Keenan, ehemaliger Technologieberater der UN, in seinem Artikel „Das Klimaprojekt war der Pilotversuch – was folgt, ist viel größer“. Keenan:
„Die Klimapolitik mag sich weiterentwickeln, Erfolg haben oder scheitern – ganz nach ihren eigenen Maßstäben. Diese Debatte wird weitergehen. Doch unabhängig von ihren konkreten Ergebnissen hat sie bereits eine andere Rolle gespielt – eine, der weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie hat dazu beigetragen, eine neue Art der Organisation des Wirtschaftslebens einzuführen und zu normalisieren: eine, in der Verhalten durch integrierte Finanzsysteme kontinuierlich bewertet, klassifiziert und beeinflusst wird.“ [14]
Was die „Degrowth“-Agenda betrifft, fällt auch der Irankrieg zumindest teilweise in diese Rubrik. Er sorgte für eine Verteuerung von Energiepreisen und somit Allem, was damit ökonomisch zwangsläufig verknüpft ist. Sonderlich aufsehenerregend ist das „agendatechnisch“ gesehen allerdings nicht, hatte die Trilaterale Kommission doch schon 1978 in einem Papier zur langzeitstrategischen „Energiewende“ mit dem Titel „Energy: Managing the Transition“ ausdrücklich geschrieben:
[…] es ist angemessen, wenn die trilateralen Länder verschiedene Mechanismen zur Erhöhung der Preise in Betracht ziehen würden. Wir empfehlen dringendst jeder trilateralen Regierung, ihre Steuerstrukturen zu überprüfen und spezifische Energiesteuern einzuführen […] es steht außer Zweifel, dass für die internationalen Ziele in den künftigen Jahren immer mehr Geld benötigt werden wird.“ [15]
Die US-Regierung ist eine dieser trilateralen Regierungen – siehe dazu das bereits erwähnte zweibändige Werk von Wood und Sutton. Und da die Eliten selbst unter Aufbietung all ihren Reichtums eine Agenda von globaler Dimension nicht finanzieren könnten – selbst wenn ein Bill Gates, Peter Thiel, Sam Altman, Mark Zuckerberg und andere Technokraten ihre Multimilliarden zusammenlegen würden, hätten sie noch immer nicht genug finanzielle Ressourcen dafür – muss dieses Geld natürlich woanders herkommen: Von der Bevölkerung, den Steuerwollepflückern auf der Wirtschaftsplantage, den fleißigen Steuerbienchen. Oder kurz: Eine gigantische Umverteilungsmaschine von „unten nach oben“.
Damit soll diese Kurzeinführung in die Technokratie abgeschlossen sein. Für sehr viel detailliertere Informationen zu diesem Themenkomplex erlaube ich mir, Sie auf meine Trilogie dazu hinzuweisen. Im ersten Band, „Das globale Technat“, gehe ich der Frage nach, welche anderen Motive abgesehen von den „gesundheitspolitischen“ hinter der „Corona-Pandemie“ gesteckt haben könnten – unter denen vor allem die finanzsystemische Ebene zu nennen wäre, die bis heute leider noch viel zu wenig diskutiert wird [16]. Im zweiten Band, „Was ist Technokratie? Über den wichtigsten Begriff unserer Zeit“ erhalten Sie eine ausführliche Herleitung des ideengeschichtlichen Substrats technokratischen Denkens – von der französischen Revolutionsära bis heute. Im dritten und letzten Band – „Der neue Technogott: Herrschaft ohne Gesicht“ liegt der Schwerpunkt auf den technologischen Entwicklungen, vor allem der von sehr einflussreichen „Start Up-Investoren“ wie Jeffrey Epstein oder Peter Thiel massiv finanzierten „Künstlichen Intelligenz“. Sie bekommen alle drei Bücher im KDP-Programm (Kindle Direct Publishing) über Amazon.
Ich lade Sie außerdem herzlich ein, den Fundus an Texten zur Technokratie auf meiner Webseite [17] zu durchstöbern – mittlerweile sind etwas über 2.400 Artikel zusammengekommen, die ich im Laufe von sechs Jahren für ein deutsches Publikum bereitgestellt habe. Sie sind für die Öffentlichkeit kostenlos verfügbar.

„Das globale Technat“ <https://www.amazon.de/Das-globale-Technat-Ozeanien-Governance/dp/B0C6BTFH2R/258-2932533-5231945>
Dort finden Sie auch Informationen über das institutionelle Netzwerk der Eliten, das hier nur sehr spärlich beleuchtet werden konnte – z.B. den extrem einflussreichen Council on Foreign Relations (CFR), der aus dem britischen RIIA hervorging (Royal Institute of International Affairs, auch als Chatham House bekannt); dessen europäischer Ableger, das ECFR (European Council on Foreign Relations); das Aspen Institute, den Club of Rome (der mit seinem Buch „Limits of Growth“ die technokratische Degrowth-Agenda einer breiten Öffentlichkeit vorstellte); das Tavistok Institute of Human Relations, in dem Kognitionswissenschaftler und Verhaltenspsychologen Framing- und Nudging-Strategien, auf gut Deutsch: Propaganda zur Beeinflussung der „Öffentlichen Meinung“ ausarbeiten; die Bilderberg-Gruppe, das Weltwirtschaftsforum (WEF, das aus dem „International Seminar“ in Harvard unter Leitung von Henry Kissinger und der CIA hervorging [18], zu dessen Teilnehmern ein gewisser Dr. Klaus Schwab gehörte) und vieles mehr.
Es ist höchste Zeit, dass der Begriff der Technokratie gesteigerte Aufmerksamkeit erfährt. Denn er ist immer noch zu wenig bekannt – viel zu wenig. Was deshalb besorgniserregend ist, weil wir derzeit eine „Wachablösung“ der etablierten politischen Systeme durch technokratische erleben – nicht nur bloße Politikwechsel. Das gilt erst recht für den „technokratischen Trojaner“ Donald Trump, in dessen Kabinett sich nicht zufällig so viele Technokraten tummeln, die „seine“ Politik maßgeblich beeinflussen und vorgeben. Die destruktive Politik, die sich dahinter verbirgt, beabsichtigt, die etablierte Ordnung gezielt zu zerstören [19] – um aus ihrer Asche allerdings kein besseres, gerechteres, freieres System entstehen zu lassen, sondern einen techno-totalitäres, digitales Panoptikum wie den mythischen Phönix [20].
In meinen Büchern finden Sie außerdem Informationen über die Rolle des „BRICS“-Blocks und seine Entstehungsgeschichte, mithin die sogenannte „Multipolare Weltordnung“ als globalistische Propaganda-Erzählung [21]; über die Rolle des „Yalies“ Mao Tse Tung (hinter dem der Skull & Bones-Orden der amerikanischen Universität Yale stand) bei der technokratischen Transformation Chinas sowie die genaue Struktur und Funktionsweise des „digitalen Gulags“, der momentan errichtet wird (im dritten Band, „Der neue Technogott“).
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die menschliche Zivilisation vor einem ihrer größten Umbrüche steht. Eine solche Umwälzung hat es bislang noch nicht gegeben – gerade wegen ihrer globalen Dimensionen. Werden die „99%“ sie gut informiert, bewusst und aktiv mitgestalten – oder werden sie dies dem „1%“ überlassen?
Lizenz: Axel B.C. Krauss, Free21, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] Interview von Carlotta Postel mit Dr. Matthias Goldmann, Professor für Völkerrecht, „You cannot sell parts of a state territory“, 17.1.2025, Legal Tribune Online, <https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/interview-trump-usa-control-greenland-right-to-self-determination-international-law>
[2] Tabby Wilson, „Trump doubles down on Greenland ahead of Davos visit, saying there is ’no going back'“, 21. Januar 2026, BBC, <https://www.bbc.com/news/articles/cvgr19m642zo>
[3] Howard Scott, „America Now and Forever“, erschienen in der Zeitschrift „Technocracy. The New America“, Juli 1940.
[4] George Melloan, „Die Furcht vor dem Unbekannten ist die Geheimwaffe des IWF“, Wall Street Journal, 21.7.1998, <https://www.wsj.com/articles/SB900971341422953500>, Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich.
[5] Beide Zitate aus Carroll Quigley, „Tragedy and Hope“, The Macmillan Company, New York 1966, S. 324. Übersetzung aus dem Englischen und Hervorhebungen durch mich.
[6] ESC, „Kybernetik zweiter Ordnung“, <https://axelkra.us/kybernetik-zweiter-ordnung-esc/>
[7] Frederick Winslow Taylor, „The Principles of Scientific Management“, Harper & Brothers Publishers, New York & London 1919, Seite 7
Vladimir Lenin, „The Soviets at Work. The International position of the Russian Soviet Republic and the Fundamental Problems of the Socialist Revolution“, veröffentlicht von der Rand School of Social Science, 7 East 15th Street, New York, 1919, <https://web.archive.org/web/20250317090348/https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1918/mar/soviets.htm>
[9] Corey Lynn, „Die globale Perspektive auf Impfpässe, Teil 4: BLOCKCHAINED“, <https://axelkra.us/die-globale-perspektive-auf-impfpaesse-teil-4-blockchained-corey-lynn/>
[10] Patrick M. Wood, „Die Tokenisierung realer Vermögenswerte ist ein Instrument der Unterwerfung, nicht der Befreiung“, <https://axelkra.us/die-tokenisierung-realer-vermoegenswerte-ist-ein-instrument-der-unterwerfung-nicht-der-befreiung-patrick-wood/>
[11] Patrick M. Wood, „Die Tokenisierung realer Vermögenswerte ist ein Instrument der Unterwerfung, nicht der Befreiung“, <https://axelkra.us/die-tokenisierung-realer-vermoegenswerte-ist-ein-instrument-der-unterwerfung-nicht-der-befreiung-patrick-wood/>
[12] Patrick M. Wood, „Das Ende der Verschuldung durch die Tokenisierung von Vermögenswerten?“, <https://axelkra.us/das-ende-der-verschuldung-durch-die-tokenisierung-von-vermoegenswerten-patrick-wood/>
[13] Cynthia Chung, „Elon Musk als Tesla 2.0: Das Erbe von Technocracy Inc. und der Vorstoß für ein nordamerikanisches Technat“, <https://axelkra.us/elon-musk-als-tesla-2-0-das-erbe-von-technocracy-inc-und-der-vorstoss-fuer-ein-nordamerikanisches-technat-cynthia-chung/>, meine Hervorhebungen.
[14] Mark Keenan, „Das Klimaprojekt war der Pilotversuch – was folgt, ist viel größer“, <https://axelkra.us/das-klimaprojekt-war-der-pilotversuch-was-folgt-ist-viel-groesser-mark-keenan/>
[15] zitiert nach E.R. Carmin, „Das Schwarze Reich“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 5. Auflage, 1994, Hervorhebungen durch mich.
[16] Michael Bryant, „COVID-19: Eine globale Finanzoperation“, <https://axelkra.us/covid-19-eine-globale-finanzoperation-michael-bryant/>
[18] Johnny Vedmore, „Das Kissinger-Kontinuum: Die unautorisierte Geschichte des Young Global Leaders-Programms des WEF“, <https://axelkra.us/das-kissinger-kontinuum-die-unautorisierte-geschichte-des-young-global-leaders-program-des-wef-johnny-vedmore/>
[19] Dr. Jacob Nordangård, „Ist Donald Trump die »Abrissbirne« der Eliten, die den Weg für eine »erleuchtete internationale Governance« ebnen wird?“, <https://axelkra.us/ist-donald-trump-die-abrissbirne-der-eliten-der-den-weg-fuer-eine-erleuchtete-internationale-governance-ebnen-wird-jacob-nordangard/>
[20] Courtenay Turner, „Die Phönix-Verschwörung“, <https://axelkra.us/die-phoenix-verschwoerung-courtenay-turner/>; Iain Davis, „Das dunkle MAGA-Technat der Regierungskorporation, Teil 1“, <https://axelkra.us/das-dunkle-maga-technat-der-regierungskorporation-teil-1-iain-davis/>
[21] Iain Davis, „Die schöne neue multipolare Weltordnung“, https://axelkra.us/die-schoene-multipolare-neue-weltordnung-iain-davis/; Patrick M. Wood, „Die China-Karte: Unter Trumps Herrschaft entsteht eine globale Technokratie“, <https://axelkra.us/die-china-karte-unter-trumps-herrschaft-entsteht-eine-globale-technokratie-patrick-wood/>; Kit Knightly, „Scheinkriege und steigende Preise: Was eine »multipolare Weltordnung« wirklich bedeutet; <https://axelkra.us/scheinkriege-und-steigende-preise-was-eine-multipolare-weltordnung-wirklich-bedeutet-kit-knightly/>; Cynthia Chung, „Das Leben von James Burnham: Vom Trotzkismus über den italienischen Faschismus zum Vater des Neokonservatismus“, <https://axelkra.us/das-leben-von-james-burnham-vom-trotzkismus-ueber-den-italienischen-faschismus-zum-vater-des-neokonservatismus-cynthia-chung/>




