Sanitäter trägt verwundetes palästinensische Kind in Gaza 2023. (Foto: Fars Media Corporation, Wikimedia Commons, CC BY 4.0)
UN-Bericht schlussfolgert: Israel greift absichtlich Kinder im Gazastreifen an
Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der UN-Kommision kommt zu dem Schluss, dass die israelischen Streitkräfte als Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die Zukunft des palästinensischen Volkes zu zerstören, gezielt palästinensische Kinder angreift.
„Das überwältigende Ausmaß und die hohe Zahl der in Gaza getöteten und verletzten Kinder sind weltweit beispiellos in der Geschichte der modernen Konflikte“, bestätigte diese Woche erneut ein neuer Bericht der unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete [1]. Der Bericht untermauert auf der Grundlage früherer Beweise und neuen Zeugenaussagen, die Warnungen von Palästinensern und internationalen Aktivisten, dass die israelischen Streitkräfte gezielt palästinensische Kinder ins Visier nehmen – als Teil einer Strategie, „die Zukunft der Palästinenser im Gazastreifen zu zerstören.“
„Das ist eine sehr ernste Schlussfolgerung“, sagte der australische Rechtsexperte Chris Sidoti, ein Mitglied der Kommission, während einer Pressekonferenz am 26. Juni. Doch die umfassende Anwendung von Folter und anderer erniedrigender Behandlungen, Angriffe auf Schulen und Waisenhäuser sowie auf Infrastruktureinrichtungen, die für ein menschenwürdiges Leben der Kinder notwendig sind – beispielsweise Krankenhäuser – während des Völkermordes in Gaza, lassen nur wenig Raum für Zweifel.
Der Bericht beschreibt detailliert, auf welche Weise die israelischen Besatzungstruppen seit dem 7. Oktober 2023 Kindern im Gazastreifen Schaden zugefügt haben. Dies beinhaltet sowohl das Töten und Verletzen von Kindern durch Massenbombardierungen und willkürliche Angriffe sowie das direkte anvisieren durch Scharfschützen und Quadcopter. Diese Angriffe wurden nicht eingestellt, obwohl die sogenannte Waffenruhe im Oktober letzten Jahres in Kraft trat. Seitdem wurden über Hundert Kinder im Gazastreifen getötet [2]. Zusammen mit der Behinderung von Hilfslieferungen und Wiederaufbau, kreieren diese Aktionen weiterhin eine grauenvolle Umgebung für die Bewohner, vor allem für Kinder.
„Alles ist so, wie im Oktober 2025“, fügte Sidoti an. „Der [Gaza Friedens] Plan sollte als gescheitert gelten.“
Die Kommission zitiert Dutzende Beispiele von leidenden Kindern. Auf der Liste steht auch der 6 Jahre alte Hind Rajab, der bei einem israelischen Angriff auf das Auto der Familie und den Krankenwagen, der zu Hilfe kam, getötet wurde [3]. Es zeigt auch, dass kleine Kinder Zeugen davon werden, wie ihre Familien erschossen oder entführt werden. Im Dezember 2023 warfen laut Bericht israelische Soldaten vier Handgranaten in ein Haus in Gaza City, das dreißig Personen beherbergte. Während des Angriffs erlitt ein Fünfjähriger schwerwiegende Verletzungen, einschließlich des herausquellens innerer Organe durch eine offene Bauchwunde (abdominale Eviszeration). Er musste ohne medizinische Versorgung evakuiert werden. „Er verlor in der Schule das Bewusstsein, während er von einem Arzt behandelt wurde, der mit Windeln und Klebeband, die herausgerutschten Eingeweide wieder in den Bauchraum zurück schob.“
Keine „normal großen“ Babys im Gazastreifen
Interviews mit internationalen Gesundheitsfachkräften, die freiwillig in Krankenhäusern im Gazastreifen tätig sind, enthüllten außerdem das Ausmaß der Verletzungen, die Kinder erlitten. Von Kopf- und Brustwunden bis hin zu Augen- und Hörschäden. Der Bericht warnt, dass „mindestens 21.000 Kinder im Gazastreifen neu zu Kriegsversehrten gemacht wurden und ungefähr 40.500 Kinder ‚kriegsbedingteʻ Verletzungen erlitten“.
Das bedeutet, dass Zehntausende Kinder eine lange, oft lebenslange, Rehabilitation benötigen, aber wegen systematischer Zerstörung der Gesundheits-Infrastruktur durch die israelischen Streitkräfte, es unwahrscheinlich ist, dass sie diese erhalten [4]. Die Auswirkungen werden Kinder mit bereits bestehenden chronischen Erkrankungen, Neugeborene und Schwangere gleichermaßen zu spüren bekommen. „Im Oktober 2024 wird berichtet, dass es dreimal so wahrscheinlich für Frauen im Gazastreifen ist, bei der Geburt zu sterben oder eine Fehlgeburt zu erleiden als vor dem 7. Oktober 2023.“, so der Bericht.
Im Juni 2025 sind ein Drittel der Geburten im Gazastreifen Frühgeburten, untergewichtig oder benötigen Intensivpflege, darunter Babys, die in der 32. Woche geboren werden und nur 0,9 Kilogramm wiegen. „Ärzte haben berichtet, dass sie keine ‚normal großenʻ Babys mehr im Gazastreifen sehen.“
„Israel zielt direkt darauf ab, die langfristige Gesundheit von Säuglingen zu beeinträchtigen“, erzählte eine Kinderkrankenschwester der Kommission. „Es gibt keinen Grund, warum wir keine Medikamente nach Gaza bringen können, um Schwangeren und Babys zu helfen, also macht es keinen Sinn, außer wenn wir annehmen, dass diese bestimmte Gruppe gezielt ins Visier genommen wird, weshalb es zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen kommt.“
Erschwerende Faktoren für die Gesundheit von Kindern sind extreme Temperaturen und Unterernährung, verschlimmert durch Bedingungen, die von Israel am Boden verursacht werden: zerstörte Häuser, sanitäre Infrastruktur und Behinderung von Hilfslieferungen. Die Notfallmedizinerin Dr. Mahmooda Syed, die auf derselben Konferenz wie Sidoti sprach, bezeichnete in ihrer Ansprache Infektionskrankheiten, an denen Kinder mit einem durch Hunger geschwächten Immunsystem erkranken als „künstlich herbeigeführte Zustände“.
Sie hob hervor, dass alles, von grundlegender Hygiene bis zum Verabreichen von Insulin in der jetzigen Situation unmöglich ist. Ein ähnlicher Punkt wurde vom Al Mezan Center for Human Rights am 25. Juni aufgeworfen, wobei sie die Ausbreitung von Insekten und Nagetieren infolge der Aktionen Israels hervorhoben [5]. Das Center warnte, dass „sich Krankheiten und ernsthafte Gefahren für die öffentliche Gesundheit, wegen des Mangels an sauberem Wasser, Hygenieartikeln und grundlegenden Versorgungsleistungen, in Lagern für Vertriebene und Wohngebieten ausgebreitet haben.“
Der Bericht behandelt Fälle von Haut- und Haarproblemen sowie verschlechterter Mundgesundheit. Solche „künstlich herbeigeführten Zustände“ werden für Kinder mit geschwächtem Immunsystem oft lebensgefährlich. Ein Fall eines 12 Jahre alten Mädchens mit Zöliakie, das unter schwerer Unterernährung litt, nachdem der Zugang zu glutenfreien Lebensmitteln wegen Israels Blockade 2025 eingeschränkt wurde. Im Bericht heißt es, dass sie „über einen Zeitraum von sechs Monaten, ein Drittel ihres Körpergewichts verlor, was zu gebrechlichen Gliedmaßen, Durchfall, Müdigkeit und einem geschwächten Immunsystem führte.“ Das Kind starb „aufgrund eines septischen Schocks infolge einer einfachen Infektion.“
„Ich konnte keine Operation beenden, weil jedes Mal, wenn die Kinder zurück in den OP gebracht wurden, unter der Kleidung, ihre Wunden mit Maden befallen und von Sepsis betroffen waren“, wird eine weitere medizinische Fachkraft zitiert. „Diese Kinder hatten aufgrund von Unterernährung kein Immunsystem. Kinder haben sich einfach nicht erholt.“
Der Bericht schlägt, wegen des starken Anstiegs von Gewalt gegen palästinensische Kinder in der West Bank, begangen vor allem von israelischen Siedlern, über den Gazastreifen hinaus Alarm. Der Bericht dokumentiert Dutzende Angriffe durch Siedler und israelische Streitkräfte. Die Angriffe beinhalten: Tötungen, Verstümmelung und sexuelle Gewalt – und setzen Kinder ständiger Angst und Traumata aus.
„Mit dem ins Visier nehmen von Kindern, untergräbt Israel die strukturellen Grundlagen der palästinensischen Gesellschaft, schwächt die demographische Vitalität und die Möglichkeit des palästinensischen Volkes insgesamt, zur Aufrechterhaltung und Ausübung des Rechts, ihre Zukunft als Volk selbst zu bestimmen“, schlussfolgert die Kommission. Sie empfiehlt Regierungen dringend spezifische Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich eines kompletten Stopps des Waffenhandels mit Israel, einer Kappung von Finanzströmen an illegale Siedlungen und Ermittlungen gegen Personen, die bekanntermaßen an Angriffen auf Gaza teilgenommen haben – angefangen mit ihren eigenen Bürgern.
Dieser Text wurde zuerst am 28.06.2026 auf www.breakthroughnews.org unter der URL <https://breakthroughnews.org/2026/06/28/un-report-concludes-israel-is-deliberately-targeting-gazas-children/> veröffentlicht. Lizenz: Ana Vračar, Breakthrough News, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] Independent International Commission of Inquiry on the Occupied Palestinian Territory (18.06.2026): „“The essence of childhood has been destroyed”: Israel’s deliberate targeting of Palestinian children in the Occupied Palestinian Territory since 7 October 2023 – Report (A/HRC/62/CRP.2)“. United Nations. <https://www.un.org/unispal/document/coi-report-23jun26/>
[2] unicef (13.01.2026): „During Gaza’s Ceasefire, Children Keep Being Killed“. UNICEF. <https://www.unicef.org/press-releases/during-gazas-ceasefire-children-keep-being-killed>
[3] Aseel Saleh (22.10.2025): „HRF urges ICC to issue warrants for 24 Israeli soldiers accused of the murder of Hind Rajab and her rescuers“. Breakthrough News. <https://breakthroughnews.org/2025/10/22/hrf-urges-icc-to-issue-warrants-for-24-israeli-soldiers-accused-of-the-murder-of-hind-rajab-and-her-rescuers/>
[4] Ana Vračar (27.01.2026): „Researchers warn of “de-healthification” in Palestine as infections spread in Gaza“. Breakthrough News. <https://breakthroughnews.org/2026/01/27/researchers-warn-of-de-healthification-in-palestine-as-infections-spread-in-gaza/>
[5] Al Mezan (25.06.2026): „Israel Continues Its Genocidal Campaign, Obstructs Humanitarian Aid, and Pushes Gaza Toward an Unprecedented Health Catastrophe“. Al Mezan Center for Human Rights. <https://mezan.org/en/post/46868>




