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Westliche Imperialisten sind die wahren Drogenhändler, nicht Venezuela
Am 2. September startete das neu benannte Kriegsministerium Berichten zufolge einen Luftangriff auf ein Boot vor der Küste Venezuelas. Dieser Angriff, bei dem elf Venezolaner getötet wurden, die von der Trump-Regierung als „Drogenhändler“ bezeichnet wurden, markiert sowohl eine gefährliche Eskalation in Richtung Krieg auf dem amerikanischen Kontinent als auch einen weiteren Eintrag in der langen Geschichte der Militarisierung des sogenannten „Kriegs gegen die Drogen“. In diesem Sinne ist die Anschuldigung keine Überraschung, obwohl der Weltdrogenbericht 2025 der Vereinten Nationen feststellt, dass Venezuelas Beitrag zum globalen Drogenhandel marginal ist [1].
Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass die Regierung der Vereinigten Staaten und vor allem die großen Banken, denen sie dient, im Zentrum der größten Drogenhandelsnetzwerke der Welt stehen. Dennoch zögert die Regierung der Vereinigten Staaten nicht, Anschuldigungen wegen Drogenhandels, Schmuggels, Konsums und Missbrauchs zu nutzen, um Krieg gegen arbeitende und unterdrückte Menschen im Inland und auf der ganzen Welt zu führen.
Vor nur wenigen Jahren, im Juli 2019, beherrschten zwei Meldungen gleichzeitig die Schlagzeilen: die Verurteilung von Joaquin „El Chapo“ Guzman zu lebenslanger Haft wegen seiner Rolle im Sinaloa-Kartell und die Beschlagnahmung eines Schiffes von JP Morgan Chase in Philadelphia im Rahmen einer Kokainrazzia, bei der man Kokain im Wert von 1,3 Milliarden Dollar beschlagnahmte [2]. Damals berichtete Liberation News über die Verurteilung von „El Chapo“ und beschrieb, wie die Wachovia Bank „Geld wusch, um große Flugzeuge für den Transport von Kokain im Wert von Hunderten von Millionen Dollar“ für mexikanische Kartelle zu kaufen – und als der ehemalige Mitarbeiter Martin Woods interne Kritik äußerte, „kündigte er bei der Bank, nachdem die Führungskräfte von Wachovia wiederholt seine Unterlagen über Geldwäsche von Drogenhändlern durch die Bank ignoriert hatten“ [3].
Trotz dieser Beweise wurde kein einziger Wachovia-Manager angeklagt, geschweige denn, dass sie irgendwelche Konsequenzen für ihre nachgewiesene Rolle bei der Finanzierung des globalen Drogenhandels hätten tragen müssen. Ähnlich verhielt es sich bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit der Kokainbeschlagnahmung in Philadelphia: Weder JP Morgan Chase noch die Reederei Mediterranean Shipping Co. wurden im Rahmen der Ermittlungen ins Visier genommen, aber acht Besatzungsmitglieder wurden angeklagt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt [4]. Diese eklatante Korruption ist für die Kapitalistenklasse nichts Neues.
19. Jahrhundert
Banker von London bis New York haben seit Jahrhunderten ein Vermögen mit dem Drogenhandel gemacht. Von den Opiumkriegen des Britischen Empire über die Kriege der USA in Vietnam und Afghanistan bis hin zu Interventionen in ganz Lateinamerika – der Drogenhandel war schon immer ein zentraler Bestandteil des westlichen Imperialismus.
Auf einer Ebene gibt es die rohe, kapitalistische Logik des Drogenhandels. Von Opium über Heroin bis hin zu Kokain (ganz zu schweigen von Kaffee, Zucker und Tabak) ist der Handel mit stark suchterzeugenden Substanzen ein sicherer Weg, um Kapital zu vermehren. Die Nachfrage wächst umso mehr, je mehr Märkte mit Drogen überschwemmt werden – aber die Verbindungen zwischen Drogenhandel und Imperialismus gehen tiefer als bloßer Profit. Um die geopolitischen Dimensionen des Drogenhandels zu verstehen, gibt es kein besseres Beispiel als die Opiumkriege des 19. Jahrhunderts.
Bei den Opiumkriegen ging es nicht nur darum, China für den britischen Opiumhandel zu öffnen. Das Britische Empire hatte nur deshalb einen Überschuss an Opium, weil seine Kolonialpolitik in Indien die traditionsreiche indische Baumwoll- und Textilindustrie zerstörte, die den britischen Textilfabriken, die Baumwolle aus den Sklavenplantagen im Süden der USA verarbeiteten, den Rang ablief. Opium wurde zu einer „Cash Crop“, die die britischen Kolonialherren in Indien anbauten, nur um den chinesischen Markt mit Waffengewalt damit zu überschwemmen – was zu einer generationsübergreifenden Suchtkrise in China selbst führte.
Nicht nur die britischen imperialistischen Aristokraten profitierten vom Niedergang der indischen Textilindustrie und der Sucht und Verarmung des chinesischen Volkes.
Auch wichtige Familien der herrschenden Klasse der USA verdienten im 19. Jahrhundert ein Vermögen mit dem Opiumhandel. Familien wie die Astors, die Forbes und die Delanos verdienten viel Geld mit dem sogenannten „China-Handel“.
Ein Großteil dieses Geldes floss zurück in Eliteuniversitäten, darunter auch die Familie Low [5], nach der die berühmte Low Library an der Columbia University benannt ist.
Der Kalte Krieg
Im 20. Jahrhundert griffen die US-Imperialisten das Modell des Opiumkriegs auf und setzten es um. Der Historiker Alfred W. McCoy verfolgt in seinem 1991 erschienenen Buch „The Politics of Heroin: CIA Complicity in the Global Drug Trade“ [6] die Fäden des Drogenhandels während des gesamten Kalten Krieges und zeigt die Rolle der US-Geheimdienste und Großbanken bei der Unterstützung des globalen Drogenhandels auf. McCoy verfolgt insbesondere die Rolle von Heroin bei der Zusammenarbeit und Unterstützung der USA für so unterschiedliche Gruppen wie die sizilianische Mafia, die südvietnamesische Armee, antikommunistische afghanische Kriegsherren wie Gulduddin Hekmetyar und die nicaraguanischen Contras.
Ein Teil der Gewinne aus diesem Handel floss sicherlich über die größten Banken der Wall Street in die Taschen der kapitalistischen herrschenden Klasse, aber darüber hinaus wurde ein Großteil der Gewinne wieder in Geheimdienstoperationen investiert und wurde so zu einem Schmiergeldfonds für die CIA. Der Journalist Gary Webb deckte 1998 in seinem Buch „Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion“ [7] eines dieser Beispiele auf.
Diese Untersuchung zeigte, wie „ein Drogenring aus der Bay Area fast ein Jahrzehnt lang tonnenweise Kokain an die Straßenbanden Crips und Bloods in Los Angeles verkaufte und Millionen an Drogengeldern an eine lateinamerikanische Guerilla-Armee weiterleitete, die von der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) geführt wurde“. Dieser Schmiergeldfonds ermöglichte es der CIA in vielerlei Hinsicht, nach den Ermittlungen Mitte der 1970er Jahre – u.a. durch das Church-Komitee, das Operationen wie MKULTRA und COINTELPRO aufgedeckt hatte – weiterhin verdeckte oder „schwarze“ Operationen durchzuführen.
Das 21. Jahrhundert
In einem 2008 vom National Institutes of Health veröffentlichten Brief von Simon J. Spedding, einem medizinischen Berater des australischen Amtes für Veteranenangelegenheiten, der in den 1970er Jahren in einem Kinderkrankenhaus in Kabul tätig war, heißt es:
„Die einfachen Fakten sind, dass die Opiumproduktion unter der von den USA beeinflussten Regierung Afghanistans in den 1970er Jahren hoch war, sich unter den Taliban bis 2001 um das Zehnfache verringerte und dann unter den USA um das 30-Fache und mehr auf das Niveau der 1970er Jahre anstieg.“ [8]
Entgegen der Behauptung der USA, dass die Taliban die Opiumproduktion zur Finanzierung des Terrorismus förderten, verboten sie nach dem Rückzug der USA aus Afghanistan nach 20 Jahren im Jahr 2021 den Anbau von Mohn [9], einem wichtigen Bestandteil der Opiatproduktion, woraufhin die Produktion drastisch zurückging. Ein UN-Bericht aus dem Jahr 2023 vermeldete einen Rückgang der Opiumproduktion zwischen 2022 und 2023 um 95 % [10].
Von den Opiumkriegen des Britischen Empire bis zur Besetzung Afghanistans durch die USA waren es immer westliche Imperialisten und Finanzkapitalisten, die den Drogenhandel zur Finanzierung des Terrorismus nutzten. Spedding fährt in seinem Brief fort: „Das sind Tatsachen – während die Vorstellung, dass die CIA Opium aus Afghanistan vertreibt, eine Verschwörungstheorie wäre – es sei denn, man hat sich mit den Statistiken der Vereinten Nationen befasst oder war zufällig in Afghanistan.“
Erst letzten Monat enthüllte ein brisanter neuer Artikel mit dem Titel „The Fort Bragg Cartel“ von Seth Harp (hier interviewt von Abby Martin und Mike Prysner von Empire Files [11]) die engen Verbindungen zwischen nationalem und internationalem Drogenhandel, Morden und Straffreiheit in Fort Bragg, North Carolina. Fort Bragg ist die Heimat der geheimsten Spezialeinheit der US-Armee, der Delta Force. Die Delta Force ist bekannt für ihren „Elite“-Status als „Black Ops“-Einheit, ähnlich dem bekannteren Seal Team 6.

Kaserne der 1. Brigade der 82. Luftlandedivision in Fort Bragg North Carolina, USA . (Jonas N. Jordan, U.S. Army Corps of Engineers, Wikimedia Commons, Gemeinfrei)
Zwischen 2020 und 2021 starben „unglaubliche 109 Soldaten, die in Fort Bragg stationiert waren“ [12] durch Mord und Drogenüberdosierungen, und wie sich herausstellt, ist die hohe Sterblichkeitsrate nur die Spitze des Eisbergs.
Die direkten Verbindungen zwischen Fort Bragg und mexikanischen Kartellen reichen mindestens bis in die 1990er Jahre zurück, als – wie Harp berichtet – mexikanische Luftlandespezialkräfte, die von amerikanischen und israelischen Streitkräften in Fort Bragg (North Carolina) und Fort Benning (Georgia) in irregulärer Kriegsführung ausgebildet wurden, zum in Matamoros ansässigen Golf-Kartell überliefen, bevor sie sich abspalteten und ein neues Kartell gründeten, Los Zetas.
Dies markierte den Beginn der brutalsten und gewalttätigsten Epoche in der Geschichte des Drogenhandels in Mexiko. Los Zetas wurde in „Schießkunst, schnellem Einsatz, Hinterhalten, Überwachung und psychologischen Operationen“ ausgebildet und setzte „offene militärische Gewalt ein, um die Kontrolle über den größten Teil der texanischen Grenze und den Golfküstenhafen Veracruz zu festigen“. Gruppen wie diese sind für Tausende von Toten und unzählige weitere Verschwundene verantwortlich.
Gleiches Drehbuch gegen Venezuela
Ob es nun um die Einstufung mexikanischer Kartelle als „ausländische terroristische Organisationen“ geht oder um die lange, lange Geschichte des Einsatzes von Drogen als geopolitisches Instrument durch Imperialisten im Ausland und als Waffe gegen die Arbeiterklasse im Inland – wir können sicher sein, dass die Bekämpfung des Drogenhandels das Letzte ist, woran die kapitalistische Klasse der USA interessiert ist.
Die Vorwürfe der Trump-Regierung, Venezuela sei ein „Drogenstaat“, müssen vor diesem historischen Hintergrund gesehen werden. Die Anschuldigungen werden als politische Waffe für eine militärische Eskalation eingesetzt, um den Sturz der Maduro-Regierung zu erreichen [13]. Alle arbeitenden Menschen der Welt sollten sich gegen diese imperialistischen Manöver zusammenschließen.
Dieser Text wurde zuerst am 02.01.2026 auf www.liberationnews.org unter der URL <https://liberationnews.org/western-imperialists-are-the-real-drug-traffickers-not-venezuela/> veröffentlicht. Lizenz: Jasper Saah, Liberation News, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] UN Office on Drugs and Crime, „Key Findings“, World Drug Report, Juni 2025, <https://www.unodc.org/documents/data-and-analysis/WDR_2025/WDR25_B1_Key_findings.pdf>
[2] CBS News, Christopher Brito und Jason Silverstein „Ship seized in $1.3 billion cocaine bust is owned by JP Morgan Chase“, am 11.07.2019, <https://www.cbsnews.com/news/ship-seized-in-1-3-billion-cocaine-bust-is-owned-by-jp-morgan-chase/>
[3] Liberation News, Richard Becker, „‘El Chapo’ Guzman gets life — U.S. drug bankers walk free“, am 19.07.2019, <https://liberationnews.org/el-chapo-guzman-gets-life-u-s-drug-bankers-walk-free/>
[4] Freight Waves, Greg Miller, „Shipping’s billion-dollar coke bust: 8 plead guilty, sentencing begins“, am 13.04.2021, <https://www.freightwaves.com/news/shippings-billion-dollar-coke-bust-8-plead-guilty-sentencing-begins>
[5] Columbia Spectator, Shay Stulman, „From Canton to Columbia: Low’s legacy with opium“, am 26.01.2024, <https://www.columbiaspectator.com/podcasts/2024/01/25/from-canton-to-columbia-lows-legacy-with-opium/>
[6] Internet Archive, Alfred W. McCoy, „The Politics of Heroin: CIA Complicity in the Global Drug Trade“, 1991, <https://archive.org/details/isbn_9781556521256/page/452/mode/2up>
[7] Internet Archive, Gary Webb, „Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion“, 1998, <https://archive.org/details/dark-alliance-the-cia-the-con-gary-webb>
[8] BMJ | 17 MAY 2008 | Volume 336, Simon J Spedding, „Is the US or the Taliban responsible?“, S.1088, <https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2386629/pdf/bmj-336-7653-ltr-01088.pdf>
[9] BBC, Yogita Limaye, „Inside the Taliban’s war on drugs – opium poppy crops slashed“, am 06.06.2023, <https://www.bbc.com/news/world-asia-65787391>
[10] UN Office on Drugs and Crime, „Afghanistan opium survey 2023“, November 2023, <https://www.unodc.org/documents/crop-monitoring/Afghanistan/Afghanistan_opium_survey_2023.pdf>
[11] Soundcloud, Empire Files, „Coked-Up Executioners in the Pentagon’s Secret Army w/ Seth Harp“, <https://soundcloud.com/empire-files/fortbraggcartel>
[12] Rolloing Stone, Seth Harp, „‘These Kids Are Dying’ — Inside the Overdose Crisis Sweeping Fort Bragg“, am 04.09.2022, <https://www.rollingstone.com/culture/culture-features/inside-the-overdose-crisis-sweeping-fort-bragg-1396298/>
[13] Peoples Dispatch, Manolo De Los Santos, „Trump’s smokescreen on Venezuela: Exposing the “narco-state” accusation“, am 21.08.2025, <https://peoplesdispatch.org/2025/08/21/trumps-smokescreen-on-venezuela-exposing-the-narco-state-accusation/>




